Donnerstag, 12. Juli 2012

For the last


Am 01.09.12 ging mein großes Abenteuer los. Seither sind mehr als 10 Monate vergangen und mein Aufenthalt in Ghana neigt sich so langsam dem Ende zu. Da wir am 28ten Juni die Kinder in die so genannten Mid-Terms entlassen haben, ist damit auch meine Arbeit an der SWIS beendet gewesen. Man glaubt es kaum, wie schnell die Zeit vorbei gegangen ist. Letzte Woche wurde ich mal wieder gefragt „Und wann geht’s wieder zurück?“ Da musste ich zum ersten Mal die Antwort geben: diese Woche! NUR NOCH DIESE WOCHE!

Wie ich in meinem letzten Blogbericht bereits erwähnt habe, freue ich mich schon wieder total nach Hause zu kommen, in eine mehr oder weniger gewohnte Umgebung. Klar ist es nicht mehr so, wie ich Deutschland letztes Jahr verlassen habe. Viele meiner Freunde sind inzwischen in verschiedene Städte gezogen und leider habe ich inzwischen auch meine zweite Oma verloren. Aber so ist das, die Welt steht ja nicht still, während ich nicht da bin. So dreht sich halt alles weiter und alles verändert sich. Auch bei mir selber habe ich gemerkt,  dass mich der Freiwilligendienst ganz schön geprägt und verändert hat.

Insgesamt sehe ich dem Ende jetzt schon mit einem weinenden und einem lachenden Auge entgegen, genau wie ich dem Anfang mit einem weinenden und einem lachenden Auge entgegen gesehen habe. Deja Vu.

In den 10 Monaten habe ich mir hier ein ganz eigenes und selbstständiges Leben aufgebaut, neue Freunde und meinen Freund gefunden. Auch wenn es wahrscheinlich kein endgültiger Abschied wird, so wie jetzt wird es trotzdem nie wieder. Im Moment fühle ich mich hier ziemlich heimisch, wenn ich das nächste Mal komme, dann werde ich es als Tourist tun. Außerdem werden auch die anderen Freiwilligen, die hier mit mir zusammen ihren Dienst geleistet haben dann wieder in ganz Deutschland verstreut sein. 

Situationen wie diese gibt es ständig. Erst letztes Jahr wurden wir für immer aus der Europaschule entlassen. Abschiede oder ein Ende hat jeder Abschnitt des Lebens einmal. Meistens beginnt dafür dann ein neues Abenteuer. Für mich wird das wahrscheinlich sein, an die Uni zu gehen um zu studieren. Jeder von uns hat das schon mal durchgemacht, immer begleitet von einem etwas mulmigen Gefühl. Man sollte sich nur nie von dem Gefühl abbringen lassen, denn wenn man immer bei dem Gleichen bleibt und nichts Neues wagt, dann kann man auch dieses Hochgefühl nicht empfinden, was man meistens hat, wenn etwas Neues beginnt.

Bei mir hat dieses Hochgefühl ungewöhnlich lange angehalten, ca. 6 Monate. Es ist normal wenn man am Anfang erstmal eine Euphorie für das Neue und Ungewohnte empfindet. Diese „honeymoon-Phase“ hält durchschnittlich ungefähr 3 Monate an, dann sollte man sich einigermaßen eingelebt haben. Bildlich gesprochen hat man während dieser Phase eine Rosarote Brille auf und nimmt meistens nur die positiven Dinge war.
Wenn man sich einmal richtig eingelebt hat, dann sieht man alles noch mal mit ganz anderen Augen. Vor allem als mein Vater und mein Bruder mich besucht haben, wurde ich auch auf die negativen Seiten Ghanas hingewiesen und habe meine rosa-rote Brille zum ersten Mal abgesetzt.

Schlimm finde ich den Müll, den man hier überall auf den Straßen sieht. Zu dem Müll kommt dann auch ein etwas unangenehmer Geruch, den Müll normalerweise mit sich bringt. Es gibt zwar eine Müllabfuhr, die so genannten „Zoomlions“ aber das Unverständnis über Umweltverschmutzung ist hier noch nicht so gegeben, die Leute haben meistens genug andere Probleme um sich mit so etwas zu befassen. Man muss sagen, dass es aber nicht in allen Regionen so vermüllt ist. Die Central Region, wo ich wohne, ist nur leider sehr davon betroffen. In der Volta Region zum Beispiel ist es nicht unnormal öffentliche Mülleimer auf der Straße zu sehen.

Während ich mit meiner Familie in Kumasi war, musste ich ins Krankenhaus, weil ein Taxi zu nah an mir vorbei gefahren ist und mein Bein gestreift hat. Sofort haben uns 2 Menschen den Weg zum Krankenhaus gezeigt und auch dort wurde ich sehr freundlich empfangen. Dabei ist mir aufgefallen, dass der Arzt zwar sehr kompetent schien, aber leider die medizinischen Möglichkeiten fehlten um die Wunde ordentlich zu verbinden. Zur Sicherheit habe ich auch noch eine Impfung bekommen. Allein das Desinfizieren der Wunde und die Impfung haben mich über 30 Cedis gekostet. Für mich war es kein Problem, die Kosten zu tragen, aber für viele der Einheimischen ist dies nicht möglich, wenn man sieht, was das durchschnittliche Einkommen in Ghana ist.

Dazu kommen die Bauruinen, die vor allem im Süden sehr oft anzufinden sind. Häuser sind sicheres Kapital und mal ehrlich wer träumt nicht von seinem eigenen Haus?! Also wird sobald ein bisschen Geld zusammengespart ist, direkt angefangen zu bauen. Gebaut wird dann solange, bis kein Geld mehr vorhanden ist, dann wird gestoppt und bei Gelegenheit immer mal wieder ein bisschen weitergebaut. So sehe ich es jetzt, am Anfang habe ich diese vielen angefangenen Häuser eher als Symbol des Aufschwungs und kommenden Wohlstands in Ghana angesehen.

All das hat mich aber daran erinnert, dass ich im Moment in einem Entwicklungsland lebe. Im alltäglichen Leben vergisst man das viel zu leicht! In meiner Familie und auch in meiner Freizeit habe ich eigentlich kaum etwas an „deutschem“ Luxus vermisst, ich hatte fließend Wasser und Strom (meistens), einen Internetzugang und immer genug zu Essen, da merkt man im Alltag gar nicht mehr, dass das noch lange nicht Standard für alle Menschen hier in Ghana ist. Deshalb bin ich im Moment auch sehr motiviert, nach meinem Aufenthalt in Ghana die Bande nicht zu kappen und vielleicht finde ich in der Zukunft, wenn ich ordentlich ausgebildet bin,  ja eine Möglichkeit, wie ich als Individuum zur „Entwicklung“ des Landes beitragen kann. Und ich hoffe, dass ich euch mit meinen Berichten ein bisschen zum Nachdenken anregen konnte.

 Um euch nun vielleicht noch ein bisschen weiter zum Nachdenken zu bringen möchte ich euch noch wärmstens den letzten Blogeintrag von Tomma, meiner Gastschwester empfehlen. Er ist richtig gut geschrieben und spricht mir wirklich aus dem Herzen.

Last but not least möchte ich jetzt noch mal meiner Familie, aber auch allen meinen Sponsoren  und meiner Organisation danken. Ihr habt mir dieses unvergessliche Jahr möglich gemacht. VIELEN DANK!
Und natürlich auch ein Dankeschön an all die, die sich immer wieder aufs Neue meine Blogeinträge durchlesen. Dies bestärkt mich darin an den Sinn des Freiwilligendienstes zu glauben, dieser ist nicht die Entwicklung des Landes voran zu treiben, sondern einen Austausch von verschiedenen Kulturen her zu stellen! 

Bis bald in Deutschland, 

eure Sandra

Mittwoch, 4. Juli 2012

Reisebericht Teil 2 (von meinem Vater)


Sonntag, den 05.02.2012

Wir haben gut geschlafen und für 10 Uhr Ortszeit sind wir zum Frühstück verabredet. Ortszeit bedeutet, dass man von unserer MEZ eine Stunde abziehen muss; während der europäischen Sommerzeit sind es zwei Stunden, doch die haben wir ja noch nicht.
Unsere beiden ersten Lektionen am heutigen Tag haben wir schon gelernt: gebrauchtes Toilettenpapier kommt in einen separaten Eimer und aus der Dusche kommt nur kaltes Wasser, was aber nicht so kalt ist wie zu Hause. Und den Mund haben wir uns nach dem Zähne putzen mit Wasser aus einer Flasche ausgespült. Künftig benutze ich aber doch aus Gründen der Bequemlichkeit Leitungswasser für diesen Zweck, achte aber darauf, es nicht zu schlucken. Uns Europäern ist empfohlen, in den Tropen Wasser nur aus Flaschen zu trinken und Leitungswasser nur, wenn es abgekocht ist. So lassen sich Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts vermeiden.
Unser Frühstück ist auf der Terrasse gerichtet. Tomma und Sandra warten schon auf uns – sie sind auch sonntags frühes Aufstehen gewohnt. Unser 1. Frühstück in Ghana besteht aus Weißbrot, was wie Toastbrot aussieht, Rührei mit Tomatenstückchen, Margarine, einem großen Teller aufgeschnittener Ananas, heißem Wasser für Tee und Instantkaffee. Während des Frühstücks nehmen Thomas und ich unsere Malarone-Tabletten zum Schutz gegen Malaria ein. Mit der Einnahme haben wir bereits zwei Tage vor der Abreise begonnen, werden sie täglich während der Reise einnehmen und auch noch einige Tage nach unserer Rückkehr. Einen hundertprozentigen Schutz vor einer Erkrankung bieten sie aber nicht.
Hier auf der Terrasse hat Sandra ihr Eingangsfoto des Blogs gemacht. Auch wir hätten von hier diesen Blick, wenn denn freie Sicht wäre. Es ist aber trübe und dunstig, nebelartig – kein blauer Himmel ohne Wolken, wie ich mir die Trockenzeit vorgestellt hatte. Später wird mich Gastvater Kojo aufklären, was es mit dem Dunst auf sich hat. Hier treffen wir auch erstmals auf Tiere, die überall in Ghana anzutreffen sind: Geckos. Sie sind völlig harmlos, sehen aus wie Miniausgaben von Echsen und haben einen farbenfrohen Körper.
Das Sikaso-Haus liegt nur wenige Meter vom Strand entfernt. Den Fahrweg überqueren und schon ist man am Atlantik. Auch wir machen einen Strandspaziergang. Wir treffen auf breiten Sandstrand, eine Gruppe Einheimischer, die es sich im Sand bequem gemacht haben, in einiger Entfernung baden Einheimische, auffällig viele Kinder sind dabei, im Wasser baden zwei ältere Weiße (wo die wohl leben?). Fischerboote sind nicht unterwegs, sie liegen auf dem Strand, Fischer stehen an den Booten, einige flicken ihre Netze. In weiterer Entfernung sieht man zwei höhere Gebäude, wobei es sich um Hotels des Badeortes „Kokrobite“ handeln könnte – da fallen einem doch gleich die Bausünden an Mittelmeerstränden ein. Hier lernen wir auch, dass bestimmte Strandabschnitte von der einheimischen Bevölkerung zur Verrichtung der Notdurft benutzt werden. Das sind die so genannten „Kackstrände“. Die Flut entsorgt die Häufchen schon. Oder man verrichtet seine Notdurft gleich im Wasser. Wir lernen auch, dass wohl die meisten Ghanaer nicht schwimmen können. Und zum Baden wird sich nicht umgezogen, sprich Badehose oder Bikini/Badeanzug angezogen, sondern man geht mit seiner Bekleidung ins Wasser.
Lange können wir uns nicht am Strand aufhalten, denn wir wollen ja noch nach Agona Swedru. Also: Erste Eindrücke von der ghanaischen Küste sammeln und dann zurück zum Haus.
Die bequeme aber teurere Art nach Agona zu fahren, wäre die in einem Taxi. Doch wir bevorzugen die Freiwilligenart des Reisens. Wir verlassen also das Sikaso-Haus mit allem Gepäck und gehen bis zum Fahrweg, was nur einige Meter sind. Am Straßenrand signalisieren wir den Taxis, dass wir mit wollen, denn hier fahren nur Taxis entlang. Es dauert nicht lange und schon hält ein leeres Taxi. Zielort und Fahrpreis werden ausgehandelt, unser Gepäck verstaut und schon geht es los zur nächsten TroTro-Station. Hier heißt es umsteigen in ein TroTro, das direkt nach Agona Swedru fährt. Für unsere Koffer zahlen wir einen Cedi extra pro Gepäckstück, die dann auch im Laderaum verstaut werden.
Ghana-Cedi ist die Währung im Land. Sie lässt sich leicht umrechnen: 1 Cedi entsprechen 50 €-Cent. Cedi wird das Papiergeld genannt, das es in 1, 5, 10, 20 und 50er Scheinen gibt. Das Münzgeld heißt „Pesewas“ und gibt es im gleichen Nennwert wie die Cedi-Scheine.

An dieser Stelle nun eine Darstellung der Fortbewegungsmöglichkeiten in Ghana: Die gebräuchlichsten Fortbewegungsmittel sind Taxi, TroTro und Bus.
Jeder PKW kann Taxi sein. Im Gegensatz zu Deutschland gehören die ghanaischen Taxis nicht der gehobenen Fahrzeugklasse an. Vielmehr kann auch ein Kleinwagen ein Taxi sein. In der Regel handelt es sich um ausrangierte Fahrzeuge aus Europa, vielleicht auch auch Asien, die noch oder wieder fahrfähig sind. Man erkennt ein Taxi an seinen orange-farbenen Ecken. Transportiert werden im Taxi bis zu 6 Personen. Man unterscheidet „Shared“-Taxi mit festem Preis für eine Strecke sowie Zusteigemöglichkeiten von anderen Personen unterwegs und „Drop-In“-Taxi, wo der Fahrpreis ausgehandelt und die Person oder Gruppe alleine transportiert wird. Taxis fahren immer.
Das TroTro ist in der Regel ein umgebauter Van oder Kleintransporter. Auch hier handelt es sich um ausrangierte Fahrzeuge aus Europa oder Asien. In das Fahrzeug werden Sitzreihen eingebaut, wobei bei 2 oder 3 Sitzreihen je ein Sitzplatz klappbar sein muss wegen des Ein- und Aussteigens. Die hinterste Sitzbank ist für 4 Personen vorgesehen. Die anderen Sitzreihen bieten ebenfalls 4 Personen Platz. Normal sind 3 Sitzreihen im Fahrzeug, es gibt aber auch größere Fahrzeuge mit 4 Reihen. Neben dem Fahrer finden 2 bis 3 Personen Platz. Je nach Größe des Fahrzeugs finden 14 bis 18 Personen in einem TroTro Platz. Jedes TroTro verfügt über eine seitliche Schiebetür und Schiebefenster je Sitzplatzreihe. Für die Mitfahrt im TroTro gelten feste Preise. Die Besatzung des TroTros besteht aus zwei Personen, dem Fahrer und dem Kassierer, der gleichzeitig auch die Mitfahrer anlockt durch lautstarkes Ausrufen des Fahrtzieles. Wichtig: TroTros fahren nur ab, wenn alle Plätze besetzt sind; Wartezeiten muss man einplanen.
Um größere Entfernungen zurückzulegen, empfiehlt sich die Fahrt im Metro-Bus. Diese Busse sind mit unseren Linienbussen vergleichbar und bieten Sitzplätze für 62 Reisende. Die Sitzplätze sind alle zum Fahrer hin ausgerichtet. Auch hier bestehen die Seitenfenster aus Schiebefenstern, die in der Regel immer geöffnet sind und so für eine angenehme Temperatur während der Fahrt sorgen. Bei Regen können sie geschlossen werden. Die Metrobusse bieten auch Stauraum für Gepäck und anderes, was die Reisenden mitnehmen. Auch im Fahrgastraum wird alles Mögliche an Gepäck verstaut. Man bezahlt einen festen Fahrpreis. Je nachdem wie beladen der Gastraum ist, werden auch noch Reisende mitgenommen, die den vollen Fahrpreis für einen Stehplatz zahlen und keine Fahrkarte erhalten. Auch für die Busse gilt: sie fahren nur ab, wenn jeder Sitzplatz belegt ist. Und auch hier sind Wartezeiten normal und einzuplanen.
Es gibt auch ein Schienennetz von ca. 1.100 km Länge in Ghana. Verbunden sind die Städte Accra, Kumasi und Sekondi. Das Schienennetz bildet quasi ein Dreieck. Angeschlossen sind auch die Gold-Abbaugebiete. In den Norden Ghanas (ab Kumasi nördlich) führt keine Eisenbahnstrecke. Agona Swedru liegt nicht an der Eisenbahnlinie. Wir haben keine Fahrt mit der ghanaischen Eisenbahn unternommen, ich kann also hierzu keine weiteren Informationen liefern.

Als Fahrgast im TroTro starten wir unsere abenteuerliche Fahrt ins Landesinnere nach Agona Swedru.   


Donnerstag, 10. Mai 2012

Hitting the road to travel to unknown places


 SO so, vor ein paar Tagen sind wir von unserer Reise zurückgekommen und seit Dienstag ist  die Schule wieder dran, deshalb wollte ich die Gelegenheit nutzen euch ein bisschen von meiner Reise zu erzählen bevor der Alltag wieder richtig losgeht. Insgesamt haben Tomma und inzwischen alle 10 Regionen Ghanas gesehen und haben zusätzlich noch einen kurzen Abstecher nach Togo gemacht. Damit ihr euch die Orte und unsere Erlebnisse besser vorstellen könnt, habe ich zusätzlich auch viele viele Bilder gemacht. Insgesamt über 1200 Fotos in drei Wochen.

Am 15 April gings für Tomma und mich los. Von Swedru aus, erstmal nach Accra und dann nach Aflao, dem südlichsten Grenzübergang zwischen Ghana und Togo. Direkt auf der Togolesischen Seite befindet sich dann schon Lomé, die togolesische Hauptstadt. Sobald man in Aflao aus dem Tro steigt, wird man schon begrüßt von Männern mit einem Bündel von Geld in der Hand um deine Ghanaischen Cedis in Togolesische CFA umzutauschen. Bepackt nur mit unseren Trekking Rucksäcken und den wichtigsten Sachen müssen wir zuerst zum Immigration office um den Ausreisestempel von den Ghanaischen Beamten irgendwo in den 32 Seiten des roten Büchleins zu bekommen, dass dich als Bürger der Europäischen Union auszeichnet. Dann geht’s weiter zum Immigration Office Togos. Während alle anderen zur Gepäckkontrolle müssen, werden Tomma und ich als einzige einfach so durch gewunken. 10.000 CFA hat uns das Visum für 7 Tage gekostet dann durften wir einreisen. Als wir dann mit dem Taxi aus dem Grenzgebiet rausfahren wollten, wurde das Taxi von einem  Mann in Uniform angehalten. Er blieb an unserem Fenster stehen und fragte uns total ernst, was wir in unseren Rucksäcken haben. Ein bisschen eingeschüchtert antworteten wir dass wir Klamotten und Hygieneartikel mit uns führen. Darauf meinte er: „Oh ok, I love you!“ So anders ist Togo also doch nicht.

Insgesamt haben wir 2 Tage in Lomé verbracht, wir waren am Strand und sind auf der Suche nach einer Künstlergemeinde durch die ganze Stadt gelaufen. Gerade als wir es gefunden hatten mussten wir dann auch schon wieder gehen, da wir erstmal eine Bank suchen mussten. Also haben wir uns mit Motorrädern, den dort gängigen Verkehrsmitteln kurz zur Bank und wieder zurück fahren lassen. Es war echt interessant zu sehen, wie die Künstler dort in ihren Ateliers oder ihrer Schmiede arbeiten. Billig war der Besuch nicht, aber wann kommt man mal wieder nach Togo. Als wir uns am 17ten mittags auf den Weg zur Station machen wollten um nach Kpalimé zu fahren, wurden wir auf der Straße von einem Mann angesprochen. Er stellte sich auf Englisch vor und erzählte uns dann von seinem Problem. Der Mann, besitzt einen Shop in Accra, ist Diabetiker Typ 1 und war auf einem Transitflug. In Lomé hat er wohl einen längeren Stopp gemacht und wollte sich ein bisschen die Stadt angucken. Er ist mit einem Taxi in die Stadt gefahren und hat in dem Taxi seine Tasche mit dem Insulin vergessen. Taxizentralen gibt es nicht, er hatte also nun ein großes Problem, denn Diabetiker dieses Typs müssen sich mehrmals täglich Insulin spritzen. Er hatte versucht Geld abzuheben, aber mit American Express kommt man nicht so weit. Sowohl Tomma wie auch ich waren erstmal ein bisschen überrumpelt und wussten gar nicht was gerade passiert. Wir stimmten aber trotzdem zu, ihm zu helfen, ihn zum Krankenhaus zu begleiten und für sein Insulin aufzukommen. Während Tomma im Taxi auf unsere Taschen aufpasste ging ich mit dem Mann ins Krankenhaus. Eine Box Insulin ist ziemlich teuer, selbst in Deutschland, das weiß ich weil ich in meiner Familie auch einen Fall von Diabetik habe. Weder Tomma noch ich hatten genug Geld in bar dabei, deshalb mussten wir, nachdem der Mann seine erste Insulinspritze bekommen hat, die er sich auch direkt vor meinen Augen gesetzt hat, damit wir nicht denken, dass er uns verarscht, erstmal wieder zur Bank. Mit 200.000 CFA weniger auf dem Konto sind wir dann wieder zurück in Richtung Krankenhaus.
So wurde es Spätnachmittag bis wir in Kpalimé angekommen sind. Dort haben wir uns erstmal in ein Restaurant gesetzt um auf den Anruf von Lily, einer Freiwilligen in Togo zu warten. Wie sich dann rausstellte  saß sie in dem gleichen Restaurant ein paar Meter weiter, zusammen mit ein paar anderen Freiwilligen aus Togo und der zweiten Gruppe von Ghanaischen Freiwilligen aus Ghana, die ihre Ferien auch für einen Ausflug nach Togo nutzen wollten.

Am nächsten Tag, dem 18ten April hatten wir mit Lily einen Ausflug zu einem Wasserfall in den Bergen Kpalimés geplant. Mittags sind wir erstmal zusammen Fufu essen gegangen, was nicht nur anders zubereitet wird sondern auch ganz anders schmeckt, da nur Yam als Zutat verwendet wird. Mit drei Motos ging’s dann durch die Berge zu einem etwas abgelegenen Dorf. Dort trafen wir auf die anderen Ghanaer und ein paar Togolesen und zusammen sind wir dann zu 12 in einem 5-Mann Pkw in die Nähe des Wasserfalls. Wir mussten dann zu Fuß weiter, einen schmalen Pfad hoch und runter durch die Berge. Nach ein paar Stunden an dem Wasserfall ging’s dann auch zurück. Eigentlich war ich schon vollkommen fertig aber wir hatten uns mit den anderen noch verabredet um etwas zu trinken, also kurz duschen und dann wieder los. Für mich war der Abend nicht so gelungen, weil, oh wunder, ziemlich viel Französisch gesprochen wurde, ich nur leider nix verstanden hab. Irgendwann kurz bevor Tomma und ich gehen wollten, hörte ich dann von den Togolesen „Happy anniverseraire“, ihnen wurde gerade erst gesteckt, dass heute mein Geburtstag war.

Nachdem wir uns in Ruhe Kpalimé, die togolesische Hochburg der Freiwilligen, angeguckt haben sind wir am 20ten zurück nach Ghana, genauer nach Ho. Um 14 Uhr waren wir an der Station und der Fahrer meinte es geht gleich los. Jaja, Ghana-Time. Die Zeit des Wartens war aber gar nicht so schlimm. Wir saßen gemütlich im Schatten, zwischen 30 Muslimischen Männern. Ziemlich interessant da einfach mal ne Zeit zuzugucken wie sie ihr alltägliches Leben leben. Interessant fand ich auch die rituelle Waschung vor dem Gebet. Gegen 17:30 Uhr sind wir dann endlich los, mit Tausend Gepäckstücken auf dem Dach durch einen ziemlich dichten Wald ohne gepflasterte Straße. Wie auch schon beim ersten Grenzübergang mussten wir zweimal unsere Pässe zeigen um wieder ein paar Stempel in unserem Pass zu erhalten. Die anderen Passagiere mussten jeweils einen Cedi zahlen und so haben wir mit der ganzen Bürokratie das ganze Tro aufgehalten. Um 6 Uhr wird es in Westafrika dunkel, so ging’s dann im Dunkeln nach Ho.
In der Nähe von Ho ist das Kalakpa Wildlife Sanctuary, das haben wir uns dann am nächsten Tag angeguckt. Außer wilden Schnecken und Schmetterlingen haben wir zwar nichts gesehen, aber der zweistündige Gang durch die Natur war wirklich toll. Natürlich hatten wir nicht dran gedacht uns die Nummer von den Fahrern der Motos geben zu lassen so blieb uns dann nichts anderes übrig, als zurück zum Dorf zu gehen. So gingen wir mit unserem Guide los, da es in Ghana unhöflich ist, Gäste nicht ein Stück nach Hause zu begleiten. Es waren zwar nur 3km, allerdings war es ziemlich heiß, weit und breit kein Schatten.

Am 22ten April sind wir dann nach Akosombo, wo wir den Rest unserer Gruppe treffen wollten. Beim einchecken in unser Guesthouse sind mir dann noch zwei Freiwillige aus Kumasi über den Weg gelaufen, die ich von dem fid-Seminar kannte. Lustig wie klein die Welt doch ist. Nach und nach trudelten dann die anderen vier ein, von nun an waren wir also zu sechst.

Die Fährfahrt über den Volta-Lake war ziemlich unspektakulär. Wir sind nachmittags los, haben die Nacht auf Holzbänken auf dem Deck verbracht und sind in der nächsten Nacht so gegen 1 Uhr an Land gegangen. Am zweiten Abend gab es ein starkes Gewitter mit Sturm und kübelweise Regen, aber es war auch irgendwie angenehm, weil dadurch die Luft um einige Grad abgekühlt ist. Wir sind dann am nächsten Tag von Yeji nach Tamale gefahren. Tamale, die „Bundeshauptstadt“ der Northern Region ist ziemlich anders als Swedru. Es gibt einen richtigen Fußgängerweg, die Straßen sind besser ausgebaut und insgesamt ist es viel ruhiger. Und trotzdem ist Tamale nicht unbedingt weiterentwickelt, da man sobald man die Hauptstraße verlässt direkt in dörfliche Verhältnisse hineinspaziert. Von Tamale aus ging es nach Bolgatanga und am selben Tag noch nach Paga, dem Grenzübergang nach Burkina Faso, mit drei Touristenattraktionen. Zum einen gibt es in Paga die heiligen Krokodile, ein Sklavencamp und dann noch den Chief’s Palace. Wir haben allerdings nur die Krokodile und das Sklavencamp gemacht, da jede dieser Besuche 9 Cedi Eintritt kostet für uns. Dabei wird immer unterschieden, ob du Ghanaer oder Ausländer bist. Ausländer zahlen meistens das Doppelte.

Von Bolgatanga sind wir weiter nach Wa, die Fahrt mit dem Metro Mass Bus hat insgesamt 9 Stunden gedauert und man musste vor 4 Uhr morgens schon an der Station sein, um sich ein Ticket zu sichern. Als wir also in Wa ankamen, waren wir alle ziemlich erschöpft. Eigentlich wollten wir aber gar nicht nach Wa sondern nach Wechiau, gelegen am Black Volta, der natürlichen Grenze zwischen Ghana und Burkina Faso. Dort gibt es ein ca. 40km² großes Reservat für Flusspferde. Um zu der „Lodge“ zu kommen, sind wir 18km mit Fahrrädern, die in Deutschland nicht mal mehr meine Omi fahren würde, durch die Nachmittagshitze Afrikas gefahren. Die Straße bestand aus Sand und die Sonne schien gnadenlos auf unsere Köpfe.
Dennoch war es das Geld wert, da man so das Land noch einmal auf ganz andere Weise entdecken konnte. Als wir ankamen mussten wir uns das selbst mitgebrachte Essen über einer Feuerstelle warm machen, bevor um 6 Uhr auch schon wieder die Sonne geht.
Wir alle haben glaub ich in der Nacht sehr gut geschlafen. Auf dem Dach der Lodge wurden für uns Matratzen mit Mosquitonetzen aufgebaut. Als ich in der Nacht kurz wach wurde, blinkten mir tausende von Sternen entgegen, da es in einem 20 km Radius keine Elektrizität gibt.
Morgens sind wir mit unserem Führer los, allerdings sind Flusspferde eher nachtaktiv, während des Tages bleiben sie im Wasser nur nachts gehen sie ans Ufer um zu grasen. So haben wir drei Flusspferde, bzw. drei Schnuten an der Wasseroberfläche gesehen. Am Anfang fand ich es ein bisschen enttäuschend, aber dann ist es doch hundert Mal besser, als die Tiere in einem Käfig eingesperrt zu beobachten.

Unser nächster großer Stopp war dann der Mole National Park, Heimat für etliche Vogelarten, Antilopen und andere Tiere wie Elephanten oder Wildschweine. Bei unserer Ankunft im Mole Motel war gerade eine Gruppe von 11 Elefanten am Wasser, was für ein perfektes Timing. Während Tomma, Hanna und ich uns ganz fasziniert die Elefanten angeguckt haben war das erste was die Jungs gemacht haben, in den Pool des Hotels zu springen.
Auch in dieser Nacht hat es wieder ziemlich gewittert und geregnet, so dass wir den geplanten guided walk morgens um 7 Uhr leider streichen mussten. War wahrscheinlich gar nicht schlecht, da Tomma inzwischen Fieber bekommen hatte. Auch Hanna war noch angeschlagen weil sie zu Beginn der Reise Malaria bekommen hat.  Nach einem Besuch in der Klinik des Nationalparks habe ich mit 2 anderen Besuchern einen Ausflug nach Larabanga gemacht, wo die älteste Moschee Ghanas zu finden ist. Später bin ich dann zusammen mit meiner Gruppe auf eine „Jeep“-Safari gegangen. Haha von wegen, da der einzige Jeep-Fahrer gerade auf Tour war, wurden wir kurzerhand in ein Trotro gesteckt.
In den 2 Stunden für 100 Cedi haben wir dutzende Antilopen, einige Pumbas (aber keine Timons) gesehen und das Highlight war die Sichtung eines Elefanten. Auch die nächste Nacht war wieder ziemlich kurz, da der Bus den Mole Park um 3:30Uhr morgens verlässt. Jeden Tag pendelt der Bus zwischen Mole Park und Tamale, allerdings macht er auch täglich nur eine Fahrt in beide Richtungen. Da wir Tamale schon gesehen hatten sind wir dann direkt weiter gefahren nach Kumasi, die „Hauptstadt“ der Ashanti-Region. Insgesamt saßen wir über 10 Stunden im Bus. Da wir alle inzwischen ziemlich blank waren haben wir dann beschlossen am nächsten Tag, dem 4ten Mai, wieder nach Hause zu fahren.

Was mir während dieser Reise aufgefallen ist, ganz abgesehen von den Unterschieden zwischen Nord und Süd, ist, dass es zwar schön ist zu reisen, aber umso schöner ist es dann auch endlich wieder nach Hause zu kommen und dort mit offenen Armen und einem fetten Grinsen empfangen zu werden.

Home sweet home.  66 Tage noch, dann geht’s auch endlich wieder zurück nach Deutschland!

Mittwoch, 11. April 2012

Meine Familie in Ghana (Teil 1)


Liebe Leserinnen und Leser,

dieser Blogeintrag ist nicht von Sandra verfasst sondern ihrem Vater. Mein Name ist Barthel Korn. Im Februar 2012 waren mein Sohn Thomas und ich in Ghana und haben Sandra besucht. Hier nun mein Bericht über unsere Reise. Wegen des Umfangs sende ich Sandra Teilberichte und beginne mit dem Ab-/Anreisetag.

Die Koffer sind gepackt. Erlaubt ist uns die Mitnahme von je zwei Gepäckstücken à 23 kg.  Wir nehmen jeder zwei Koffer mit, die prall gefüllt sind. Was habe ich nicht alles besorgt: Schwarzbrot, Tütensuppen, Suppennudeln, Nutella, Marmelade, diverse Teesorten, Mengen an Schokolade und Süßigkeiten, Shampoo, Zahnpasta und Zahnbürsten, Körperlotion, Sonnenschutzcreme, verschiedene Karten- und Gesellschaftsspiele, einige Bücher, Medikamente gegen Durchfall, Malaria, Insektenstiche, Gelenkschmerzen, Mittel zum Einreiben um Insekten zu verscheuchen und last but not least zwei Puppen als Geschenk für die Gastschwestern. Sandra hatte noch dunkle Bekleidung in Auftrag gegeben, weil ihre vorhandene helle bei der Handwäsche nicht immer ganz sauber wird. Alles das und unsere eigenen Sachen haben die vier Koffer randvoll gefüllt und wir liegen nur knapp unter der erlaubten Gewichtsgrenze. Zusätzlich habe ich noch eine Rolle mit Schullinealen und Zeigestöcken dabei. Die Geodreiecke und Fußbälle passten noch in die Koffer. Auch dies ein Wunsch von Sandra, gedacht für ihre Schule.
Samstag, der 04. Februar 2012 - Abreisetag. Es ist bitterkalt draußen. Das Thermometer zeigt um 8 Uhr  – 15° C an. Unsere Partnerinnen bringen uns und unser Gepäck zum örtlichen Bahnhof, wo wir uns von ihnen für die nächsten zweieinhalb Wochen verabschieden. Ich hatte zwar nicht vor, meine Winterjacke mit in die Tropen zu nehmen, doch die Kälte lässt sie mich anbehalten. Über Köln geht es mit der Bahn zum Frankfurter Flughafen. Wir sind zeitig dort, können unser Gepäck schon aufgeben, nur die Rolle soll ich versuchen als Handgepäck mit in die Kabine zu nehmen. Bei Pass-, Handgepäck- und Personenkontrolle haben wir keine Probleme. Gegen 14:20 Uhr startet die Lufthansa-Maschine nach Accra. Vor uns liegen 6 ½ Stunden Flugzeit.
Nach ruhigem Flug landet das Flugzeug gegen 20:00 Uhr Ortszeit auf dem Flughafen Kotoka in Accra. Es ist Nacht in Accra. Die Maschine steht vor dem Ankunftsterminal. Andockmöglichkeiten gibt es nicht. Über mobile Treppen verlassen wir das Flugzeug und werden empfangen von sehr warmer Luft. Es werden + 25° C sein, denn das ist die normale Nachttemperatur in der Accra-Region. Da haben wir an diesem Tag doch tatsächlich einen Temperaturunterschied von 40° C mitgemacht. Ich habe es erstaunlich gut verkraftet und bin nicht kollabiert. Und, ich bin erstmalig in meinem Leben in Afrika und gespannt, was mich erwartet. Busse bringen uns zum Ankunftsterminal. Warten an der Gepäckausgabe, erneute Passkontrolle mit erkennungsdienstlicher Behandlung durch das Scannen von Fingerabdrücken, Abgabe des Einreiseformulars (freundlicherweise ergänzt die Beamtin eine nicht ausgefüllte Stelle), weiter gehen. Unsicher folgen wir der Beschilderung zur Ankunftshalle erwartend, dass wir noch zur Gepäckkontrolle gebeten werden. Dem ist aber nicht so, denn kontrolliert werden anscheinend nur farbige Einreisende. Rucksack auf dem Rücken, beide Hände Koffer ziehend und ich noch die Rolle zwischen Arm und Körper eingeklemmt tragend, so erreichen wir die Ankunftshalle. Welche Freude, wir werden erwartet. Sandra und Tomma sind beide da. Wir fallen uns in die Arme – es ist sehr schön meine Tochter nach über 5 Monaten Abwesenheit wieder persönlich umarmen zu können. Und Tomma lerne ich nun auch kennen.
Sandra hat ein Taxi für uns bestellt. Wir fahren nicht gleich nach Agona Swedru sondern übernachten zunächst im ARA-Schulungshaus, das außerhalb Accras am Meer liegt. Außerhalb der Ankunftshalle werden wir gleich angesprochen. Taxi? Taxi? Wir sind Weiße und man kann uns ja ansehen, dass wir ein Transportmittel für all unser Gepäck benötigen. Sandra verneint die Anfragen und ich ignoriere sie, folge Sandra und Tomma zum Parkplatz. Der liegt gleich dem Flughafengebäude gegenüber, nur getrennt durch die Straße. Meine erste Überraschung, der Platz ist nicht asphaltiert. Wie in aller Welt finden wir denn bei den vielen Fahrzeugen unser Taxi? Wofür gibt es denn dass Handy! Sandra ruft Kofi, unseren Fahrer an, erkundigt sich, dass er auch da ist, doch es dauert eine Zeit und weitere Anrufe, bis er uns gefunden hat. Unsere Koffer passen gerade in den Kofferraum, unser Handgepäck müssen wir mit in den Gastraum nehmen. Vor uns liegt eine Stunde Fahrt durch das nächtliche Accra nach Bortianor zum Sikapa Beach Resort. Viel ist mir von dieser Fahrt nicht in Erinnerung geblieben. Eingeprägt hat sich mir aber der ständige Gebrauch der Hupe des Autos, wie ich auch feststelle, dass andere Fahrzeuge ebenfalls ständig hupen. Und irgendwann verlassen wir die Straße und fahren auf unbefestigtem Weg weiter. Kofi fährt Schlangenlinien um möglichst den Schlaglöchern auszuweichen. Dann haben wir es geschafft. Wir werden empfangen und begrüßt von John, der uns die Zimmer zuweist. Wir sind die einzigen Gäste und er hat für uns schon die Klimaanlage laufen lassen, so sind die Zimmer angenehm kühl. Weil die Klimaanlage eingeschaltet ist, wird es diese Nacht auch keine Probleme mit Mosquitos geben, weil es für die in unserem Schlafraum zu kalt ist. Auf der Terrasse sitzen wir noch wenigstens eine Stunde, erzählen uns Neuigkeiten und stillen unseren Durst. Thomas und ich erhalten eine erste Einführung in das Leben in Ghana, was auf uns zukommen wird und wie wir uns verhalten sollen. Wir verabreden uns zum Frühstück und wünschen uns eine gute Nacht. Vorsichtshalber cremen wir uns doch mit Anti-Mücken-Mittel ein, weil wir nicht unter einem Mosquitonetz schlafen werden, lauschen noch den fremden Geräuschen vor dem Einschlafen. 
Für Sandra und Tomma ist es eine Nacht wie jede andere auch, für Thomas und mich unsere erste in Afrika.              


Montag, 27. Februar 2012

ES WEIHNACHTET IN GHANA


Um ehrlich zu sein fand ich es anfangs ein bisschen komisch, Weihnachten hier in Ghana zu feiern. Irgendwie konnte ich es mir nicht wirklich vorstellen. Was schon auffällig war, ist, dass auch die Supermärkte hier ihr Sortiment an Weihnachtskeksen deutlich aufgestockt haben. So musste ich auch hier nicht auf die Dänischen Butterkekse verzichten, die es auch bei uns zu Hause traditionell zu Weihnachten gibt. Wahrscheinlich 100 mal teuerer, aber was solls.
Eigentlich hatten wir geplant, uns am 24ten nachmittags mit den restlichen Freiwilligen im Greenland Hotel zu treffen. Dort sind wir am Wochenende schon mal öfter, einfach um ein bisschen von dem ganzen Stress und der Reizüberflutung weg zu kommen. Allerdings ist planen hier in Ghana auch so eine Sache. Unser Gastvater ist am 23ten Dezember nach Hause gekommen und hat Tomma und mich gefragt, ob wir nicht mit der ganzen Familie zu seiner Heimatstadt fahren wollen. Eigentlich fanden wir das eine sehr schöne Idee, weil es bei Weihnachten nicht um die Geschenke geht, sondern Zeit mit geliebten Menschen zu verbringen. Eigentlich wollten wir uns um 6 Uhr morgens auf den Weg machen. Mein Wecker ging um 5:30 Uhr und als ich aus dem Zimmer getapst kam, meinte meine Gastmutter: „ Oh it’s too early, go back to bed and sleep some more!“ Da ich sowieso noch ziemlich müde war habe ich natürlich nicht widersprochen. Im Endeffekt haben wir uns dann um 10 Uhr auf den Weg gemacht. Wir sind dann mit unserem privaten Fahrer zuerst nach Winneba gefahren, weil Kojo noch eine Tante besuchen musste. Diese Tante hat ein Kind in Deutschland und so hat sie Kojo als Geschenk für uns eine große Packung mit Lambertz Keksen mitgegeben. Ihr glaubt nicht, wie herrlich die geschmeckt haben!
Danach sind wir dann auf direktem Wege nach Senya Beraku gefahren. Tomma und ich mussten lachen, als wir das Ortsschild gesehen haben, weil Senya auch die erste Station auf unserer Reise sein sollte. Allerdings sind wir gar nicht in die Stadt gefahren, sondern zu einem Haus etwas außerhalb. Wir wurden dann direkt in das Haus geführt und standen auf einmal mitten in einer Verlobungsfeier. Zuerst wurden dem Paar die Verlobungsgeschenke präsentiert, dann kam der Pfarrer und hat die Beiden über die Ehe und ihre Pflichten aufgeklärt, danach wurde der Frau ein ziemlich großer Verlobungsring angesteckt und dann wurde gegessen. Insgesamt war es ziemlich süß, weil man den Beiden die ganze Zeit angemerkt hat, dass sie verliebt sind. Tomma und ich mussten die Feierlichkeit jedoch vorzeitig schon verlassen weil wir uns um 15:30 Uhr treffen wollten, um die Zutaten für unser Weihnachtsessen zu kaufen. Es gab Nudelsalat (superlecker) und Reibekuchen. Das Beste an dem Essen war jedoch der Nachtisch, Schokoladeneis mit Banane und Ananas. Der Wein war leider nicht sooo geil, hat aber umgerechnet auch nur 2 Euro gekostet. Insgesamt haben wir zu sechst gegessen, 4 Freiwillige und zwei Ghanaische Freunde von uns.
Mit Kerzenschein, Last Christmas von Wham ;) und einem bunt blinkenden Plastik-Weihnachtsbaum hat sich die typisch besinnliche Weihnachtsstimmung sehr schnell eingestellt. Auch wenn der Kartoffelpuffer für unsere Ghanaischen Freunde etwas befremdlich war.
Am 25ten, dem Boxing Day hier in Ghana waren wir morgens in der Kirche. Hier in Ghana dauert der Gottesdienst durchschnittlich 3 Stunden. Tomma und ich haben uns natürlich auch in Schale geworfen und unsere traditionellen Ups and Downs angezogen. Obwohl der Gottesdienst sehr lang war, war er doch ziemlich interessant, weil so viele Leute gekommen sind, die Band und der Gospelchor haben ein paar sehr schöne Lieder angestimmt und dieses Gefühl von Geborgenheit und innerlicher Ruhe war überall zu spüren.
Den ganzen Nachmittag über ist dann jeder seines Weges gegangen. Unser Vater hat von seiner Reise ziemlich viele Bücher mitgebracht und so standen dann den ganzen Tag die Umzugskartons voll mit Büchern in unserem Wohnzimmer und haben ein ganz schönes Chaos verursacht. Ihr kennt das ja, wenn überall dutzende von Umzugskartons herumstehen.
Abends gab es dann Fufu. Da die Zubereitung von Fufu eine ziemliche Schweissarbeit ist, weil Fufu gestampt werden muss, gibt es Fufu meistens nur am Wochenende oder an feierlichen Anlässen. Am Abend als dann alle wieder zu Hause waren, haben Tomma und ich dann eine Schale mit Haribo und einen Teller mit Keksen auf den Tisch gestellt und haben noch ein paar kleine Geschenke verteilt. Obwohl ich den ganzen Tag über das Gefühl hatte, dass das ein Sonntag wie jeder andere ist, hatte ich dann abends, als wir alle zusammen am Wohnzimmertisch saßen wieder das Gefühl „ja, es ist Weihnachten“.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

We wish you a MERRY CHRISTMAS, we wish you a MERRY CHRISTMAS, we wish you a MERRY CHRISTMAS and a HAPPY NEW YEAR!

So, jetzt ist das Jahr inzwischen fast vorbei. Wahnsinn, was das Jahr 2011 alles für mich in Petto hatte. Sehr schöne Momente und auch ein paar weniger schöne Momente, aber generell kann man wohl sagen, dass 2011 ein sehr einschneidendes Jahr in meinem Leben war.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal allen denen, die mir diesen Aufenthalt in Ghana ermöglicht haben, von ganzem Herzen danken. Es war, glaube ich, die beste Entscheidung meines Lebens dieses FSJ hier in Ghana zu machen, aber ohne eure Hilfe waere es nicht moeglich gewesen.

So um euch alle jetzt mal wieder auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen, hier mein neuer Bericht. 

Bei mir haben am Freitag, den 15ten Dezember endlich die Ferien angefangen. Dann habe ich erstmal 3 Wochen frei, bis ich am 10ten Januar dann wieder in die Schule zurück kehre. Seit Langem habe ich aber mal wieder das Gefühl, die Ferien auch wirklich verdient zu haben. Denn die letzten zwei Wochen in der Schule waren ganz schön anstrengend, mit Exams korrigieren und Zeugnissen erstellen etc.

Wahrscheinlich werde ich die Ferienzeit nutzen, um ein bisschen in diesem wunderschönen Land rum zu reisen. Vom 27ten Dezember an werde ich dann mit ein paar Freunden die Küste Ghanas unsicher machen. Wir fangen an mit 2 ruhigen Tagen in Senya Beraku, wo wir im Fort of Good Hope übernachten. Dann fahren wir zu einer Lodge am Strand, um dort Sylvester zu feiern und ab dem 1sten geht’s dann Richtung Elfenbeinküste. Natürlich sind wir mal wieder ziemlich spät dran mim planen, deswegen werden wir da einfach viel spontan entscheiden.
Ich freue mich auch schon riesig, endlich ein bisschen mehr von dem Land zu sehen, was inzwischen zu meiner dritten Heimat geworden ist. Auch wenn es ein fremdes Land ist, fühle ich mich inzwischen schon wie ein Teil davon. Ich finde es auch immer wieder erstaunlich, wie schnell man sich an alles Neue gewöhnt.

Weihnachten, also heilig Abend, werde ich mit Tomma und ein paar anderen Freiwilligen zusammen verbringen. Denn hier in Ghana ist der 25te, der Boxing Day, eigentlich der entscheidende Weihnachtstag. Den werden Tomma und ich dann auch zu Hause mit unserer Gastfamilie verbringen. Wir haben noch eine Gastgeschenke vom Anfang übrig, außerdem lassen wir unserer Mutter noch ein Slate and Cover schneidern, eine traditionelle Kleidung für den Gottesdienst und andere Feste wie Hochzeiten.
Weihnachten hier zu feiern ist schon so ne Sache. So richtige Weihnachtsstimmung ist bei mir leider noch nicht aufgekommen, denn seien wir mal ganz ehrlich, das Einzige was mich hier daran erinnert, dass wir gerade in der Vorweihnachtszeit sind, sind die Weihnachtslieder, die ab und zu zu hören sind. Aber sonst fühle ich mich leider nicht so weihnachtlich, bei über 30 Grad Celsius jeden Tag, und anstatt von Schnee und Tannenbäumen sieht man hier Strand und Palmen. Haha…..
Den dritten Advent habe ich mit Freunden am Sir Charles Beach in Winneba verbracht. Allein die Vorstellung war schon ziemlich abstrus. Aber wir hatten trotzdem einen sehr schönen Tag. Wir haben vorher extra ein paar Früchte eingekauft, sind schwimmen gegangen und haben die meiste Zeit Karten gespielt. Advent mal ganz anders halt. :D Fotos von dem Tag könnt ihr euch auch in der Diashow angucken.

Mhhh.. was ist sonst noch alles passiert? Ach ja, inzwischen hatte ich leider schon Malaria, nach knapp 2 Monaten im Land. Auch wenn ich unter einem Mosquitonetz schlafe und Mosquitospray benutze, kriege ich trotzdem ständig Mückenstiche. Sehr beliebt bei den Mosquitos sind meine Füße, da ich hier die meiste Zeit auch nur Flipflops trage.
Es war ein Dienstag und irgendwie habe ich mich schon den ganzen Tag schlapp gefühlt, was allerdings auch so schon mal vorkommt, deswegen habe ich mir dabei nichts gedacht. Als wir zu Hause am Essenstisch saßen war mir auf einmal kalt, was ich schon sehr komisch fand. Nachdem ich meine Schwestern gebadet habe, hat meine Haut förmlich geglüht und siehe da ich hatte 39,5 Grad Celsius Fieber und außerdem noch andere typische Malaria-Symptome wie Durchfall und Kopfschmerzen.
Dienstagsabends geht meine Gastmutter meistens in die Kirche, also passen wir dann normalerweise auf die Kleinen auf. An dem Tag war das allerdings ziemlich ungünstig. Wir haben versucht, Mama auf dem Handy zu erreichen um ihr zu sagen, dass Tomma und ich ins Krankenhaus fahren, aber sie hatte ihr Handy leider zu Hause gelassen. Deswegen haben wir die zwei Kleinen dann bei einer unserer Nachbarinnen abgegeben und sind mit dem Taxi Richtung Krankenhaus gefahren. Da war es dann schon so 20 Uhr. Rückblickend bin ich froh, dass es erst abends ausgebrochen ist, weil das Krankenhaus tagsüber dermaßen überfüllt ist, dass man generell an die 3-4 Stunden oder auch den ganzen Tag warten muss, bis sich jemand um einen kümmert. Tomma hatte bevor wir losgefahren waren unserem Mentor, Emmanuel, bescheid gesagt, sodass er kurz nach uns angekommen ist. Nach circa einer halben Stunde wurde ich dann in den Emergency Room gerufen, wo ich erstmal die Symptome beschreiben sollte. Eigentlich war direkt klar, dass es sich zu 99% um Malaria handelt, trotzdem haben sie mir erstmal Blut abgenommen, um den Malaria-Schnelltest zu machen. Inzwischen hatte ich ziemlich starken Schüttelfrost bekommen, sodass ich nach dem kurzen Besuch im Labor wieder in den ER gebracht wurde. Da sollte ich mich dann erstmal hinlegen und habe 2 Infusionen bekommen, die das Fieber reduzieren sollten. Der Test hatte ergeben, dass ich Malaria +1 und eine Infektion habe.
 Die Krankenschwester hat Emmanuel und Tomma daraufhin Medikamente kaufen geschickt. Als die beiden weg waren habe ich noch zwei Spritzen von der Krankenschwester bekommen, die ziemlich weh getan haben. Genau in dem Moment hat die Ärztin angefangen zu lachen, weshalb ich sie dann erstmal angeschnauzt habe, was es denn da zu Lachen gäbe. Leider hatte ich die ganze Situation missverstanden, denn sie war in dem Moment mit einem Medizinstudenten auf Fanti am reden und hat wegen etwas total anderem gelacht.
Na ja auf jeden Fall war ich ziemlich froh, als Tomma und Emmanuel wieder da waren, und ich mich langsam wieder ein bisschen beruhigen konnte. Die Ärztin hatte mir zwischenzeitig nämlich noch gesagt, dass ich über Nacht im Krankenhaus bleiben müsste, da meine Temperatur immer noch zu hoch sei. Nachdem ich dann eine Spritze mit dem Malariamittel in die Hand gestochen bekommen habe, musste ich ein bisschen warten.
Was ich schon echt ekelhaft fand, war, dass ich während des Wartens gemerkt habe, wie Käfer auf mir rumkrabbelten. Und das in einem Raum, wo Notfallpatienten behandelt werden.
Ihr könnt euch also vorstellen, dass ich nicht gerade heiß darauf bin, noch mal in dem Krankenhaus behandelt zu werden. Zum Glück wurde ich so gegen 23-24 Uhr doch nach Hause entlassen, allerdings musste ich mir am Mittwoch um 9 Uhr die zweite Malariaspritze abholen. Der Stoff ist ziemlich stark sodass man wirklich merkt, wie das Medikament durch das Blut in deiner Hand den Arm hoch wandert und sich dann im Körper ausbreitet.
Außerdem muss man dann für 3 Tage morgens und abends jeweils 4 Tabletten gegen Malaria einnehmen, 3 Tabletten Paracetamol und 2 Tabletten Antibiotika täglich. Mit Medikamenten war ich also erstmal bedient. Ich war dann auch bis Ende der Woche nicht mehr in der Schule und der Montag danach war glücklicherweise ein Feiertag, sodass ich genug Zeit hatte mich aus zu ruhen. Die ersten zwei Tage gings mir ziemlich dreckig, aber danach habe ich mich dann einfach nur noch ziemlich schlapp gefühlt. So, das ist meine kleine Geschichte zu meinem ersten und hoffentlich letzten Aufenthalt im Governmental Hospital von Agona Swedru.

Mehr interessante Geschichten werden noch folgen. Mal sehen, was das neue Jahr dann so alles mit sich bringt. :D Auf jeden Fall freue ich mich schon riesig über den Besuch von meinem Papa und meinem Bruder im Februar.

Doch bis dahin wünsche ich euch allen Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2012...

Sonntag, 4. Dezember 2011

It’s been a long time


Zuerst einmal möchte ich mich entschuldigen, dass es so lange her ist, seit ich das letzte Mal einen Eintrag gepostet habe. Dafür kann ich euch jetzt aber auch umso mehr erzählen.

Ich fang mal mit meinem Projekt an. Also die Schule steht noch. haha Diese Woche haben an unserer Schule die Exams angefangen. Jeden Tag werden dann in zwei Fächern die Abschlussklausuren für den Term geschrieben. Am Donnerstag habe ich mit meiner fünften Klasse Integrated Science geschrieben. Morgens war Mathe dran und um 12:30 Uhr haben sie dann angefangen Science zu schreiben. Ohne Spaß, ich war vorher ein schon ziemlich nervös, weil beide Klassen relativ schlechte Resultate während des normalen Unterrichts erzielt haben.
Um ehrlich zu sein ist bei der Planung vor den Exams auch einiges schief gelaufen. Uns wurde nämlich am Montag vor zwei Wochen erst gesagt, dass in der kommenden Woche Exams geschrieben werden und wir uns somit schon in der Revision Week befunden haben. Die letzte Woche vor den Exams wird hier traditionell zur Wiederholung genutzt. Da den Lehrern die Nachricht allerdings so spät erst mitgeteilt wurde, war keiner darauf eingestellt und keiner hatte seinen Unterricht dem entsprechend geplant. Ich persönlich dachte dass wir noch zwei Wochen Unterricht haben, bevor die Revision Week anfängt, weil das bei Tommas Schule so ist. Eigentlich hatte ich das dann so geplant gehabt, dass ich die zwei Wochen noch nutze um 2 Themen abzuarbeiten, die ich in den Exams abfragen wollte. Doof gelaufen, dadurch musste ich den Schülern dann in einer Woche 2 Topics beibringen und gleichzeitig noch die Wiederholung machen. Aber das ist mir hier schon mehrmals aufgefallen, dass mit der Planung funktioniert hier nicht so wie in Deutschland, wo jeder immer einen strikten Plan hat und alles schon Monate im Voraus geplant wird.
Was mir dann auch ganz schönes Kopfzerbrechen bereitet hat war der Bewertungsbogen, den ich vor den Exams noch ausfüllen musste. Wie ihr euch vielleicht schon denken könnt, ist hier das ganze Schulsystem etwas anders geregelt. Hier wird halt mit Marks gerechnet, also mit Punkten. Für Hausaufgaben gibt es Punkte, für Aufgaben während des Unterrichts gibt es Punkte und natürlich für Klassentests. Leider wurde mir am Anfang versäumt, dieses Bewertungssystem genau zu erklären. So wusste ich zum Beispiel nicht, dass 3 Tests geschrieben werden müssen und insgesamt 40 mögliche Marks-Punkte dabei rauskommen müssen. Und dass man vier Hausaufgaben bewerten muss, die dann 20 Punkte ergeben sollen. Aber es geht nur darum, wie man das Malheur mathematisch wieder ausbügeln kann. Dann wurden einfach Punkte multipliziert und addiert um auf die gewünschten 100 Punkte für die Arbeit im Unterricht zu kommen.

Nach einem schönen Wochenende, das wir erneut in Koforidua verbracht haben, um den Geburtstag von Niklas, einem unserer Freiwilligen zu feiern, ist jetzt eine kurze Woche vorbei, denn Freitag war Farmersday, einer der vielen Feiertage und deswegen keine Schule. Zusammen mit unserem Mentor sind wir nach Nsaba gefahren. Ein paar Fotos davon könnt ihr in der Diashow sehen, die ich inzwischen wieder ans Laufen gebracht habe. Normalerweise kommt der Präsident persönlich, da Atta Mills allerdings im Moment außer Landes ist, war der Vizepräsident anwesend, um die ganzen Farmer und ihre Produktivität zu  loben. Außerdem waren wieder einige Chiefs anwesend. Leider ist in der Nacht davor ein Chief bei einem Autounfall gestorben, dass heißt es gibt demnächst wieder eine GROSSE Beerdigung.

Vorletztes Wochenende waren wir in Botiasor bei unserem zweiten Seminar. Es war echt cool. Wir haben viel besprochen, wie’s in unseren Gastfamilien läuft, in unseren Projekten, Kritik angebracht und versucht Lösungen für Probleme zu finden. Abends haben wir dann ein bisschen Party und ein Lagerfeuer am Strand gemacht. Das Essen war nur leider viel zu gut, sodass ich mich total überfressen habe. Dadurch ist mir jetzt erstmal der Appetit auf Red Red vergangen. Generell ist Red Red aber superlecker. Es besteht aus Fried Plantains, also frittierte Kochbananen mit einer Art Bohneneintopf, hört sich vielleicht komisch an, schmeckt aber himmlisch.

Das Essen hier ist zwar ziemlich anders, schmeckt aber wirklich gut. Insgesamt ist es sehr Protein- und Kohlenhydratehaltig, ziemlich scharf und außerdem wird hier eine Unmenge von Öl verwendet, was natürlich Auswirkungen auf den Körper hat. Inzwischen wurde mir schon öfters gesagt, dass ich fett werde. Hier ist das ein Kompliment, trotzdem ist es ziemlich nervig, weil es bei uns ja ziemlich abwertend ist. Um ehrlich zu sein, merk ich das selber aber gar nicht sooo sehr. Also ich pass auf jeden Fall noch in meine deutschen Klamotten rein. Haha

So ihr Lieben, ich glaube es ist mal wieder an der Zeit mich zu verabschieden. Der Wetterbericht hat mir gesagt, dass es bei euch zu Hause schon ziemlich frostig ist. Deshalb schick ich euch zusätzlich zu vielen lieben Grüßen auch mal ein bisschen Ghanaische Sonne um euch ein bisschen zu wärmen ;D haha

Donnerstag, 27. Oktober 2011

SAME SAME BUT DIFFERENT


Hier hat es diese Woche ziemlich viel geregnet. In Accra ist eine ganz schöne Überschwemmung und auch hier in Swedru ist der Fluss ganz schön angestiegen. Da ich aber auf einem Berg wohne, sitze ich zum Glück noch auf dem Trockenen. Ihr müsst euch also keine Sorgen machen.

Morgen werde ich mit einem Kollegen in die Voltaregion fahren zu einer Abschlussfeier von Polizeibeamten und am Samstag werde ich dann an einer Beerdigung außerhalb von Swedru teilnehmen. Mein Wochenende ist also schon wieder ziemlich ausgebucht. :D
                    
Die letzten drei Wochenenden hab ich auch die traditionelle Seite von Ghana ein bisschen kennen gelernt, die doch so ganz anders ist und die man sich in Deutschland nicht mal vorstellen kann.

In Swedru ist im August die Queen Mother im Alter von 133 Jahren ;D gestorben und vorvorletztes Wochenende war ihre Beerdigung. Zwar ist Ghana eine demokratisch gewählte Republik, trotzdem gibt es in den einzelnen Regionen, Städten und Dörfern noch die traditionellen Oberhäupter, so genannte Chiefs, Kings und Queens.
Beerdigungen generell sind hier viel größer und ganz anders als in Deutschland. Natürlich wird auch hier um die Verstorbenen getrauert, aber die Zeremonien sind ganz anders aufgezogen. Zum einen sind Beerdigungen hier viel größer und es ist nicht ungewöhnlich, wenn einer Beerdigung hunderte von Menschen beiwohnen. Nach dem Gottesdienst wird eine große Zeremonie abgehalten. Es wird quasi ein Rechteck geformt, mit hunderten von Stühlen an allen Seiten, und die Leiche wird teilweise präpariert für alle sichtbar in der Mitte aufgestellt oder aufgebahrt. Bands spielen stundenlang, es wird gesungen, getanzt und gegessen. Sogar Popcorn wird hier bei Beerdigungen gegessen. Bei meiner ersten Beerdigung kam ich mir deshalb vor als wär ich in nem schlechten Kinofilm.
Die Trauergemeinschaft kleidet sich ganz in schwarz und/oder rot und vor allem wenn der Leichenwagen mit dem Sarg in Richtung Geburtsstadt aufbricht, wo die Leute traditionell beerdigt werden, wird den Emotionen freier Lauf gelassen.
Wenn es passiert, dass ein Chief, König oder eine Königin stirbt, dann ist das hier eine große Angelegenheit. Schon Wochen vorher wird die Stadt in rot und schwarz geschmückt. Wie in allen Monarchien haben auch hier die Oberhäupter ihre Untertanen, von denen sie bedient werden. Da die Oberhäupter auf der Erde etwas Besonderes waren, sollen sie aber auch im Jenseits bedient werden, weshalb man in der Woche vor der Beerdigung lieber nicht mehr im Dunkeln rumlaufen sollte. Denn dann machen sich die „Headhunter“ auf die Suche nach Köpfen. Von einem anderen Chief wird festgelegt, wie viele Diener und damit Köpfe gebraucht werden und dann wird den anderen Chiefs mit Hilfe von Mangos mitgeteilt, wie viele Leute geköpft werden sollen. Pro Kopf eine Mango. Und die Köpfe werden dann auf den Sarg gelegt, wenn dieser in das Grab eingelassen wird. Offiziell ist das zwar inzwischen per Gesetz verboten, allerdings ist es anscheinend immer noch Brauch. Allerdings wird das deshalb inzwischen alles im Dunkeln gemacht, sodass man nur Gerüchteweise hört wie viele Köpfe rollen müssen.

In Ghana hat jeder Chief einen Chiefs Stool einen kleinen hölzernen Hocker, fast wie ein Thron. Es wird geglaubt, dass der Stool den Chiefs ihre Macht verleiht. Damit der Stool aber die Macht über das Volk behält, muss er regelmäßig Opfer erhalten. Diese Opfergaben sind entweder tierisches oder Menschliches Blut. So wurde mir das auf jeden Fall von einem Bekannten erklärt, der später mal König in seinem Ort werden soll.

Und vorletztes Wochenende waren wir dann in Akopong in der Eastern Region und haben uns da das Odwira Festival angeguckt. Eigentlich war das Festival eine ganze Woche lang, da wir aber ja alle unsere Projekte haben, konnten wir erst am Freitag anreisen.

Zu sechst sind wir von Swedru aus losgefahren Richtung Koforidua, wo wir unseren Tourguide Prosper und seine Freunde Quame, Samuel und Bryan getroffen haben. Von Koforidua sind wir dann nach Adukrom, wo wir das Wochenende über geschlafen haben, und hinterher nach Akropong gefahren. Als wir in Akropong ankamen waren die Straßen schon vollkommen zu. An beiden Straßenseiten standen Unmengen von Menschen und in der Mitte der Straße war eine Schneise. Anfangs habe ich nur große Sonnenschirme gesehen die die Straße herunterliefen, aber als ich mich dann ein bisschen weiter vorgekämpft hatte, habe ich gesehen, dass unter den von Dienern getragenen Sonnenschirmen mit Gold und edlen Gewändern ausgestattete Männer liefen oder auf Sänften getragen wurden. Je höher die Chiefs von Rang waren, desto mehr wurden sie bejubelt. Begleitet wurden die Chiefs von traditionellen Trommelklängen. Es gibt eine weibliche und eine männliche Trommel. Einerseits unterscheiden sie sich im Klang, die weibliche ist heller und andererseits auch im Aussehen.

Jeder Chief hatte seine eigene Art die Menge zu begrüßen, einer hat auf der Sänfte einen Begrüßungstanz aufgeführt, der Andere hat nur gewunken und wieder einer hat Süßigkeiten in die Menge geschmissen. Da hab ich mich ein bisschen gefühlt, als wäre ich gerade beim Rosenmontagszug in Köln.. haha komisch welche Ähnlichkeiten man da auf einmal sieht. Die Stadt war in einem Ausnahmezustand, wo man hingegangen ist wurde gefeiert, also haben wir uns einfach angeschlossen und mitgefeiert.

Nachmittags sind wird dann wieder zum Apartment, während wir darauf gewartet haben, dass die restlichen Leute unserer Gruppe zu uns stoßen. Als ich die Fahrt mit Prosper geplant hatte, war ich eigentlich von 15 Freiwilligen ausgegangen, aber irgendwie waren wir dann auf einmal 29 Obrunis und um ehrlich zu sein hatte ich da zum ersten Mal einen Kulturschock. Einfach weil ich es nicht erwartet hab so viele Weiße um mich zu haben und seit ich in Ghana angekommen bin auch nicht so viele Weiße auf einem Haufen gesehen hab. Was ich nämlich immer so schade finde ist, dass sich viele der Weißen ein bisschen abschotten und immer nur miteinander abhängen und dann natürlich Deutsch sprechen. Das ging mir das ganze Wochenende auch ein bisschen auf den Keks, weil wofür sind wir denn nach Ghana gekommen um dann nur mit anderen Freiwilligen zusammen zu hocken?!

Samstags haben wir dann einen Ausflug zum Sajuna Beach Club in Akosombo gemacht. Der Club ist direkt an dem Volta Fluss gelegen und das haben wir dann direkt mal ausgenutzt, um eine kleine Bootstour über den Volta zu machen. Mit vier Booten sind wir raus auf den Voltafluss gepaddelt und es hat einfach super viel Spaß gemacht. Da die meisten Ghanaer nicht schwimmen können, hatten unsere Ghanaischen Freunde anfangs noch ziemlichen Respekt, aber mit der Zeit haben sie die Angst total vergessen und wir haben ein Rennen gemacht und gesungen und ne ziemliche tolle Zeit gehabt.

Wir haben einige Fotos gemacht, sobald ich die Fotos von ner Freundin bekomme, werde ich sie für euch sofort online stellen. :D Die ersten sind aber auch schon auf Facebook, für alle die sich die Fotos schon mal so angucken wollen.

So ich glaube, dass ist jetzt auch erstmal wieder genug erzählt. Ich will euch ja auch nicht langweilen.

Liebe Grüße,
Sandra

Freitag, 16. September 2011

GOOD MORNING MADAM KORN! :D


Offiziell hat die Schule in Ghana am Montag, den 12.09.2011 wieder aufgemacht, aber der richtige Unterricht fängt immer erst eine Woche später an. Die erste Woche wird normalerweise dafür genutzt, die administrativen Angelegenheiten zu regeln.

Emmanuel, mein Mentor meinte eigentlich, dass die Freiwilligen am Dienstag in den Schulen vorgestellt werden. Leider hat sich weder er noch Lucy, die zweite Mentorin, bei uns gemeldet. Als wir angerufen haben, meinte Emmanuel: „Vielleicht morgen“. Doch auch am Mittwoch haben wir nix gehört, wann unser Projekt startet. Wir haben die Zeit dann einfach genutzt, um sich als Gruppe mal wieder zu treffen und die Stadt ein bisschen zu erkunden.

Donnerstags morgens hat uns dann Felix, ein weiterer Freiwilliger angerufen, dass Emmanuel gleich mit ihm bei Tomma und mir vorbeischaut und Tomma zu ihrer Schule bringen wird. Als Emmanuel kurz darauf bei uns war meinte er, „ich bring die beiden kurz zur Salvation und dann komme ich dich abholen und wir fahren zusammen zur SWIS“…  Gut, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, hab mir nur kurz was Schickes angezogen und dann hat mich Emmanuel auch schon mitgenommen zur SWIS.

Die Swedru International School liegt ein bisschen außerhalb von Agona Swedru, weshalb ich morgens und nachmittags immer mit dem Taxi fahren muss. Eine Fahrt kostet 40 Pesewas, das sind ungefähr 20 Cent.

Als wir an der SWIS angekommen sind, hat Emmanuel erstmal nach dem Weg zum Schulleiter gefragt und dann saß ich auch schon in dessen Büro. Der Schulleiter hat mich ziemlich herzlich begrüßt und zusammen haben wir überlegt, welche Fächer ich demnächst unterrichten werde. Geeinigt haben wir uns auf Creative Arts in Class 4, A und B, und Science für die Upper Primary Class 5, A und B. Das heißt, ich habe insgesamt 4 Klassen. Kingsley, einer meiner Kollegen hat mich dann erstmal ein paar anderen Lehrern vorgestellt. Emmanuel war zu dem Zeitpunkt schon längst wieder verschwunden.

Da ich eigentlich nur von einer Introduction ausgegangen war, hatte ich auch keinerlei Materialien dabei und dachte nicht, dass ich direkt vor die Klasse gestellt werde, so nach dem Motto: Just keep them entertained!

Nachdem ich mich der Klasse vorgestellt hatte, hab ich erstmal ein bisschen von Deutschland erzählt und gefragt, was sie denn letztes Jahr in meinem Fach gelernt haben. In der zweiten Klasse habe ich dann gefragt, ob die Kids mir ein bisschen Fanti beibringen können und im Gegenzug habe ich ihnen ein bisschen Deutsch beigebracht. Um 14 Uhr war dann Schluss. Normalerweise schließt die Schule erst um 4 Uhr, aber in der ersten Woche wird das nicht so eng gesehen.

Heute Morgen bin ich dann um 6:30 Uhr aufgestanden um noch vor 8 Uhr an der SWIS zu sein. Als ich an der Schule ankam, waren die Schüler schon das Schulgelände am saubermachen. Das machen die jeden Morgen. Um 8 Uhr ist dann auf dem Innenhof eine Assembly, wo die Schüler beten, auf die Ghanaische Flagge schwören und ein bisschen Sport machen. Danach geht es in die Klassenräume. Diese sind nicht wie in Deutschland. An der SWIS haben die Klassenräume keine Türen oder Fenster, nur (kleine) Mauern, wodurch sie getrennt werden. Wenn eine Klasse also laut ist, stört das direkt den Unterricht der anderen Klassen.
Während der ersten Stunde habe ich dann nur an der Seite gesessen, zugehört und mich ein bisschen auf die nächste Stunde vorbereitet, da ich inzwischen schon das Science Buch bekommen habe. Zur ersten Pause wurden dann die Lehrer zu einem Meeting zusammengerufen, welches bis zum Ende der zweiten Pause ging. Um 13.30 Uhr habe ich dann angefangen mit dem Unterricht in Science. Es ging um Blumen….

Die Kinder sind zwar zuckersüß, habens aber auch faustdick hinter den Ohren. Das einzige wovor sie Angst haben sind Schläge. Unser Direktor hat zwar in dem meeting den Artikel im Gesetz vorgelesen, wo drinsteht, dass man die Schüler nicht schlagen darf, daraufhin haben die Lehrer aber nur angefangen zu lachen.

Bis jetzt bin ich sehr zufrieden mit der Schule und den Klassen und ich freue ich schon drauf hier für 10 Monate zu unterrichten.

Montag, 12. September 2011

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MEINE LETZTEN TAGE IN DEUTSCHLAND UND DIE ERSTEN IN GHANA


So, endlich habe ich es geschafft, nach fast zwei Wochen, die ich jetzt schon in Ghana bin, euch endlich einen Bericht darüber zu geben, wie es mir ergangen ist.

Am besten fange ich mal ganz von vorne an. Wie ihr euch wahrscheinlich alle vorstellen könnt, waren die letzten Tage in Deutschland ganz schön hektisch. Das Packen war eine Angelegenheit für sich. Im Endeffekt habe ich wahrscheinlich viel zu viele Sachen mitgenommen, aber wer weiss, ob ich sie nicht in den zehn Monaten noch brauche.

Um ehrlich zu sein, waren die letzten zwei Wochen in Deutschland wie ein emotionaler Trip auf der Achterbahn, einerseits freut man sich auf das Abenteuer, andererseits ist da auch die Angst vor dem Ungewissen. Dazu kommt, dass es in meiner Familie zwei ziemlich traurige Vorfälle gegeben hat, bevor ich geflogen bin. Mein Opa hatte ca. zwei Wochen vor meiner Abreise einen Schlaganfall und meine Oma ist in der Nacht zum 31. August gestorben. Ihr könnt euch also vorstellen, dass es mir nicht leicht gefallen ist, in dieser schwierigen Zeit meine Familie alleine zu lassen. Ich bin nur froh, dass meine Familie mir den Rücken gestärkt und mir die Entscheidung, trotz allem nach Ghana zu gehen, erleichtert hat.

Am Donnerstag den 01.09.2011 ging es dann endlich los, nach Monaten der Vorbereitung war es endlich soweit. Zusammen mit meinen Eltern und meinem Bruder bin ich morgens zum Frankfurter Flughafen gefahren um meinen Flieger um 14:35 Uhr zu erwischen. Der Flug war ziemlich unspektakulär, sodass wir pünktlich gegen 19:00 Uhr Ortszeit in Accra angekommen sind. Als ich die Treppe vom Flieger heruntergestiegen bin, dachte ich für einen kurzen Moment ich bin ein Fisch auf Land. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit hatte ich das Gefühl, nicht Atmen zu können.

Nachdem ich das typische Prozedere am Flughafen durchlaufen hatte, kam ich in die Eingangshalle. Dort sollte eigentlich mein Projektpartner schon auf mich warten. Dieser hatte aber leider im Stau gestanden und so wusste ich erstmal nicht wohin. Nachdem ich ungefähr 15 Minuten gewartet habe, kam Henry, der Projekt Manager von ARA, um mich abzuholen. Wir sind dann zusammen in eine Art Restaurant gegangen, wo ich dann auch schon Kingsley Nii Addy kennen gelernt habe. Er ist der Gründer und Kopf von ARA. Die beiden haben mich ziemlich mit Fragen durchlöchert und versucht mich auf die Probe zu stellen, während wir auf einen weiteren Freiwilligen gewartet haben. Dessen Flieger hatte leider Verspätung, weshalb wir noch eine ganze Weile am Flughafen warten mussten. Mit dem Taxi ging es dann mitten in der Nacht quer durch Accra zu dem Haus, wo unser Orientation Seminar stattfinden sollte. Nachdem wir unsere Mosquitonetze aufgehangen haben, sind Niklas und ich einfach nur noch tot ins Bett gefallen.

Am nächsten Morgen wurde ich schon ziemlich früh vom Krähen des Hahnes und lautem Gesang geweckt. Ich glaube es war so gegen 4-5 Uhr. Das ist die Zeit, wenn die Ghanaer normalerweise aufstehen. Nach einer ziemlich kalten Dusche habe ich mich dann erstmal auf den Weg gemacht, das Haus und den Garten ein bisschen zu erkunden. Das Haus ist wirklich toll, allerdings auch sehr auf die westlichen Bedürfnisse ausgerichtet. Das Frühstück haben Henry und ich auf der Dachterrasse zu uns genommen. Ein Traum, der Ausblick ist einfach sagenhaft. Der Atlantische Ozean ist nämlich quasi direkt vor der Haustür. Nach einem Strandspaziergang am Nachmittag gab es abends dann Supper. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, auch während meiner Zeit in Ghana Vegetarier zu bleiben. Diesen Vorsatz habe ich leider nicht erfüllen können, da es zum Abendessen Reis mit Stew gab, was ich nicht wusste war, dass in dem Stew Tunfisch drin war. Das habe ich aber erst gemerkt als ich schon die Hälfte gegessen hatte.

Abends haben Niklas und ich noch gewartet bis die anderen Freiwilligen (von IJGD) ankamen, deren Flieger hatte aber 3 Stunden Verspätung sodass sie irgendwann in der Nacht ankamen.

Das Seminar hat insgesamt 5 Tage gedauert. Direkt am ersten Seminartag sind wir nach Accra reingefahren. Das allein war schon ein Abenteuer für sich. Immer wenn die Autos an einer Ampel halten mussten, kamen Straßenhändler mit allen möglichen Waren. Es ist schwierig zu beschreiben, man muss es einfach selbst gesehen haben.

Accra selber ist sehr unterschiedlich, zum einen die Bauruinen und Wellblechhütten, zum anderen die großen Kolonialbauten. Und überall sind so genannte Shops, dass sind 1 m² große Holzstände, wo alles verkauft wird, von Essen über Hygieneartikel bis zu Schmuck und Sportgeräte. Man muss jedoch aufpassen als „Weißer“ da es hier einen Preis für die Ghanaer und einen Obruni-Preis, also für die „reichen“ Weißen, gibt.

An den anderen Seminartagen haben wir viel Theoretisches gemacht. Wir haben zum Beispiel gelernt, wie man einen Unterricht vorbereitet, über Do’s und Don’ts gesprochen und ein bisschen Twi bzw. Fanti gelernt. Superinteressant! Morgens haben wir meistens vor dem Frühstück schon Sport am Strand gemacht und nach dem Essen dann die einzelnen Lektionen.
Am letzten Abend des Seminars wurden dann die Trommeln ausgepackt und gefeiert. :D

Inzwischen sind wir alle in unseren Gastfamilien. Ich lebe zusammen mit Tomma, einer anderen Freiwilligen, bei der Familie Atta Baans. Die Familie ist Vierköpfig, unsere Gastmutter ist Lehrerin, unseren Gastvater haben wir bis jetzt noch nicht kennen gelernt und dann gibt es noch die zwei Töchter Awompa (5) und Effiba (2).  Wir sind nicht die ersten Freiwilligen, die diese Familie beherbergt und so haben wir hier ziemlich viel Freiraum und können selbst entscheiden wohin wir gehen und was wir machen. Tomma und ich haben jeweils ein eigenes Zimmer und so haben wir uns hier schon häuslich eingerichtet.

Da man hier mit Wasser sehr sparsam umgehen muss, wird bei uns viel mit Eimern gemacht. Zum Duschen hat man einen Eimer Wasser und das waschen der Klamotten muss man auch in Eimern, mit der Hand, machen.

Das Essen in Ghana ist insgesamt schärfer als in Deutschland, nach ein paar Tagen gewöhnt man sich da aber dran. Gestern habe ich dabei zugesehen wie meine Mutter und eine Nachbarin Fufu gestampft haben.

So ihr Lieben, ich glaube ich habe jetzt auch erstmal genug erzählt. Ich kann nur jedem raten, selber herzukommen um es mit eigenen Augen zu sehen. Denn auch wenn wir auf dem gleichen Planeten leben, es fühlt sich an, als wäre ich hier in einer ganz anderen Welt.

Sonntag, 21. August 2011

Infos über mich, mein Projekt und meine Trägerorganisation


Hallo erstmal, 

am besten stell ich mich gerade noch mal vor,  ich bin die Sandra, 19, und komme aus Kerpen der Geburtsstadt von Adolph Kolping. Im Juli 2011 habe ich nach 13 langen Jahren am Gymnasium der Stadt Kerpen endlich die Schule mit der allgemeinen Hochschulreife abgeschlossen. Wie alle anderen Abiturienten musste auch ich mir so langsam ernsthaft Gedanken über meine Zukunft machen. Studium? Ausbildung? Arbeiten oder doch erstmal was von der Welt sehen?

Für mich stand eigentlich schon seit ein paar Jahren fest, dass ich vor dem Studium erst einmal eine "Auszeit" einlegen und die Welt erkunden möchte. Schon während meiner Schulzeit habe ich versucht, so oft wie möglich an Austauschprogrammen teilzunehmen. So habe ich 2007 beim Schüleraustausch mit der Belleville Mennonite School in Pennsylvania, USA mitgemacht. Da habe ich so gute Erfahrungen gemacht, dass ich 2008-09 für 5 Monate erneut dorthin gereist und dort zur Schule gegangen bin. 2009 habe ich außerdem noch an dem Austausch mit unserer Partnerschule in Simrishamn, Schweden, teilgenommen. 

Durch eine Veranstaltung zum Thema "Freiwilliges Soziales Jahr", die vor einiger Zeit an meiner alten Schule stattgefunden hat, wo Ehemalige unserer Schule von ihren Erfahrungen während ihres FSJ berichtet haben, bin ich auf die Idee gekommen so etwas auch zu machen. Seither hat mich diese Idee nicht mehr losgelassen, und da bin ich nun und reise bald für 10 Monate nach Ghana um im Rahmen des Internationalen Jugendfreiwilligendienstes in Agona Swedru, einer Stadt mit ca. 45.000 Einwohnern, ca. 1 Stunde von Accra, der Hauptstadt Ghanas, entfernt, an der Swedru International School (SWIS) den Unterricht für Kinder zwischen drei und zwölf mit zu gestalten und dort diverse Fächer zu unterrichten. 

Organisiert wird das ganze vom Kolpingwerk, meiner Trägerorganisation. Das Kolpingwerk wurde im 19. Jahrhundert von Adolph Kolping gegründet, um anderen Menschen zu helfen. Kolping, der zuerst eine Lehre zum Schuhmacher gemacht hat, ist gläubiger Katholik gewesen und später Priester geworden. Obwohl das Kolpingwerk auch heute noch auf christlichen Moralvorstellungen basiert, ist es nicht nur darauf begrenzt Christen zu helfen. Seit der Gründung Kolpings ist das Kolpingwerk stetig gewachsen und hat sich geographisch ausgeweitet. Inzwischen ist es in mehr als 60 Ländern tätig. 2011-2012 verschickt das Kolpingwerk über 30 Freiwillige in 8 Länder. Das Kolpingwerk arbeitet eng zusammen mit ARA (Agricultural and Rural Development Association), der Partnerorganisation vor Ort in Ghana, die mich und andere Freiwillige dort betreuen wird.  

Wie die meisten Sachen im Leben gibt’s auch diese Reise nicht umsonst. Der Internationale Jugendfreiwilligendienst wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Trotzdem muss ich einen Eigenanteil von 3000 € aufbringen. Das Kolpingwerk hat vorausgesetzt, dass ich mir dafür einen Förderkreis aufbaue. Dadurch muss der Freiwillige, also ich, den Beitrag nicht alleine tragen und so werden andere Menschen auf die momentane Entwicklungspolitik in Deutschland aufmerksam gemacht. 

An dieser Stelle möchte ich ganz herzlich allen danken, die mir mit ihren Spenden die Reise nach Ghana ermöglicht haben! VIELEN DANK!