Montag, 12. September 2011

MEINE LETZTEN TAGE IN DEUTSCHLAND UND DIE ERSTEN IN GHANA


So, endlich habe ich es geschafft, nach fast zwei Wochen, die ich jetzt schon in Ghana bin, euch endlich einen Bericht darüber zu geben, wie es mir ergangen ist.

Am besten fange ich mal ganz von vorne an. Wie ihr euch wahrscheinlich alle vorstellen könnt, waren die letzten Tage in Deutschland ganz schön hektisch. Das Packen war eine Angelegenheit für sich. Im Endeffekt habe ich wahrscheinlich viel zu viele Sachen mitgenommen, aber wer weiss, ob ich sie nicht in den zehn Monaten noch brauche.

Um ehrlich zu sein, waren die letzten zwei Wochen in Deutschland wie ein emotionaler Trip auf der Achterbahn, einerseits freut man sich auf das Abenteuer, andererseits ist da auch die Angst vor dem Ungewissen. Dazu kommt, dass es in meiner Familie zwei ziemlich traurige Vorfälle gegeben hat, bevor ich geflogen bin. Mein Opa hatte ca. zwei Wochen vor meiner Abreise einen Schlaganfall und meine Oma ist in der Nacht zum 31. August gestorben. Ihr könnt euch also vorstellen, dass es mir nicht leicht gefallen ist, in dieser schwierigen Zeit meine Familie alleine zu lassen. Ich bin nur froh, dass meine Familie mir den Rücken gestärkt und mir die Entscheidung, trotz allem nach Ghana zu gehen, erleichtert hat.

Am Donnerstag den 01.09.2011 ging es dann endlich los, nach Monaten der Vorbereitung war es endlich soweit. Zusammen mit meinen Eltern und meinem Bruder bin ich morgens zum Frankfurter Flughafen gefahren um meinen Flieger um 14:35 Uhr zu erwischen. Der Flug war ziemlich unspektakulär, sodass wir pünktlich gegen 19:00 Uhr Ortszeit in Accra angekommen sind. Als ich die Treppe vom Flieger heruntergestiegen bin, dachte ich für einen kurzen Moment ich bin ein Fisch auf Land. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit hatte ich das Gefühl, nicht Atmen zu können.

Nachdem ich das typische Prozedere am Flughafen durchlaufen hatte, kam ich in die Eingangshalle. Dort sollte eigentlich mein Projektpartner schon auf mich warten. Dieser hatte aber leider im Stau gestanden und so wusste ich erstmal nicht wohin. Nachdem ich ungefähr 15 Minuten gewartet habe, kam Henry, der Projekt Manager von ARA, um mich abzuholen. Wir sind dann zusammen in eine Art Restaurant gegangen, wo ich dann auch schon Kingsley Nii Addy kennen gelernt habe. Er ist der Gründer und Kopf von ARA. Die beiden haben mich ziemlich mit Fragen durchlöchert und versucht mich auf die Probe zu stellen, während wir auf einen weiteren Freiwilligen gewartet haben. Dessen Flieger hatte leider Verspätung, weshalb wir noch eine ganze Weile am Flughafen warten mussten. Mit dem Taxi ging es dann mitten in der Nacht quer durch Accra zu dem Haus, wo unser Orientation Seminar stattfinden sollte. Nachdem wir unsere Mosquitonetze aufgehangen haben, sind Niklas und ich einfach nur noch tot ins Bett gefallen.

Am nächsten Morgen wurde ich schon ziemlich früh vom Krähen des Hahnes und lautem Gesang geweckt. Ich glaube es war so gegen 4-5 Uhr. Das ist die Zeit, wenn die Ghanaer normalerweise aufstehen. Nach einer ziemlich kalten Dusche habe ich mich dann erstmal auf den Weg gemacht, das Haus und den Garten ein bisschen zu erkunden. Das Haus ist wirklich toll, allerdings auch sehr auf die westlichen Bedürfnisse ausgerichtet. Das Frühstück haben Henry und ich auf der Dachterrasse zu uns genommen. Ein Traum, der Ausblick ist einfach sagenhaft. Der Atlantische Ozean ist nämlich quasi direkt vor der Haustür. Nach einem Strandspaziergang am Nachmittag gab es abends dann Supper. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, auch während meiner Zeit in Ghana Vegetarier zu bleiben. Diesen Vorsatz habe ich leider nicht erfüllen können, da es zum Abendessen Reis mit Stew gab, was ich nicht wusste war, dass in dem Stew Tunfisch drin war. Das habe ich aber erst gemerkt als ich schon die Hälfte gegessen hatte.

Abends haben Niklas und ich noch gewartet bis die anderen Freiwilligen (von IJGD) ankamen, deren Flieger hatte aber 3 Stunden Verspätung sodass sie irgendwann in der Nacht ankamen.

Das Seminar hat insgesamt 5 Tage gedauert. Direkt am ersten Seminartag sind wir nach Accra reingefahren. Das allein war schon ein Abenteuer für sich. Immer wenn die Autos an einer Ampel halten mussten, kamen Straßenhändler mit allen möglichen Waren. Es ist schwierig zu beschreiben, man muss es einfach selbst gesehen haben.

Accra selber ist sehr unterschiedlich, zum einen die Bauruinen und Wellblechhütten, zum anderen die großen Kolonialbauten. Und überall sind so genannte Shops, dass sind 1 m² große Holzstände, wo alles verkauft wird, von Essen über Hygieneartikel bis zu Schmuck und Sportgeräte. Man muss jedoch aufpassen als „Weißer“ da es hier einen Preis für die Ghanaer und einen Obruni-Preis, also für die „reichen“ Weißen, gibt.

An den anderen Seminartagen haben wir viel Theoretisches gemacht. Wir haben zum Beispiel gelernt, wie man einen Unterricht vorbereitet, über Do’s und Don’ts gesprochen und ein bisschen Twi bzw. Fanti gelernt. Superinteressant! Morgens haben wir meistens vor dem Frühstück schon Sport am Strand gemacht und nach dem Essen dann die einzelnen Lektionen.
Am letzten Abend des Seminars wurden dann die Trommeln ausgepackt und gefeiert. :D

Inzwischen sind wir alle in unseren Gastfamilien. Ich lebe zusammen mit Tomma, einer anderen Freiwilligen, bei der Familie Atta Baans. Die Familie ist Vierköpfig, unsere Gastmutter ist Lehrerin, unseren Gastvater haben wir bis jetzt noch nicht kennen gelernt und dann gibt es noch die zwei Töchter Awompa (5) und Effiba (2).  Wir sind nicht die ersten Freiwilligen, die diese Familie beherbergt und so haben wir hier ziemlich viel Freiraum und können selbst entscheiden wohin wir gehen und was wir machen. Tomma und ich haben jeweils ein eigenes Zimmer und so haben wir uns hier schon häuslich eingerichtet.

Da man hier mit Wasser sehr sparsam umgehen muss, wird bei uns viel mit Eimern gemacht. Zum Duschen hat man einen Eimer Wasser und das waschen der Klamotten muss man auch in Eimern, mit der Hand, machen.

Das Essen in Ghana ist insgesamt schärfer als in Deutschland, nach ein paar Tagen gewöhnt man sich da aber dran. Gestern habe ich dabei zugesehen wie meine Mutter und eine Nachbarin Fufu gestampft haben.

So ihr Lieben, ich glaube ich habe jetzt auch erstmal genug erzählt. Ich kann nur jedem raten, selber herzukommen um es mit eigenen Augen zu sehen. Denn auch wenn wir auf dem gleichen Planeten leben, es fühlt sich an, als wäre ich hier in einer ganz anderen Welt.

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