Um ehrlich zu sein fand ich es anfangs ein bisschen komisch, Weihnachten hier in Ghana zu feiern. Irgendwie konnte ich es mir nicht wirklich vorstellen. Was schon auffällig war, ist, dass auch die Supermärkte hier ihr Sortiment an Weihnachtskeksen deutlich aufgestockt haben. So musste ich auch hier nicht auf die Dänischen Butterkekse verzichten, die es auch bei uns zu Hause traditionell zu Weihnachten gibt. Wahrscheinlich 100 mal teuerer, aber was solls.
Eigentlich hatten wir geplant, uns am 24ten nachmittags mit den restlichen Freiwilligen im Greenland Hotel zu treffen. Dort sind wir am Wochenende schon mal öfter, einfach um ein bisschen von dem ganzen Stress und der Reizüberflutung weg zu kommen. Allerdings ist planen hier in Ghana auch so eine Sache. Unser Gastvater ist am 23ten Dezember nach Hause gekommen und hat Tomma und mich gefragt, ob wir nicht mit der ganzen Familie zu seiner Heimatstadt fahren wollen. Eigentlich fanden wir das eine sehr schöne Idee, weil es bei Weihnachten nicht um die Geschenke geht, sondern Zeit mit geliebten Menschen zu verbringen. Eigentlich wollten wir uns um 6 Uhr morgens auf den Weg machen. Mein Wecker ging um 5:30 Uhr und als ich aus dem Zimmer getapst kam, meinte meine Gastmutter: „ Oh it’s too early, go back to bed and sleep some more!“ Da ich sowieso noch ziemlich müde war habe ich natürlich nicht widersprochen. Im Endeffekt haben wir uns dann um 10 Uhr auf den Weg gemacht. Wir sind dann mit unserem privaten Fahrer zuerst nach Winneba gefahren, weil Kojo noch eine Tante besuchen musste. Diese Tante hat ein Kind in Deutschland und so hat sie Kojo als Geschenk für uns eine große Packung mit Lambertz Keksen mitgegeben. Ihr glaubt nicht, wie herrlich die geschmeckt haben!
Danach sind wir dann auf direktem Wege nach Senya Beraku gefahren. Tomma und ich mussten lachen, als wir das Ortsschild gesehen haben, weil Senya auch die erste Station auf unserer Reise sein sollte. Allerdings sind wir gar nicht in die Stadt gefahren, sondern zu einem Haus etwas außerhalb. Wir wurden dann direkt in das Haus geführt und standen auf einmal mitten in einer Verlobungsfeier. Zuerst wurden dem Paar die Verlobungsgeschenke präsentiert, dann kam der Pfarrer und hat die Beiden über die Ehe und ihre Pflichten aufgeklärt, danach wurde der Frau ein ziemlich großer Verlobungsring angesteckt und dann wurde gegessen. Insgesamt war es ziemlich süß, weil man den Beiden die ganze Zeit angemerkt hat, dass sie verliebt sind. Tomma und ich mussten die Feierlichkeit jedoch vorzeitig schon verlassen weil wir uns um 15:30 Uhr treffen wollten, um die Zutaten für unser Weihnachtsessen zu kaufen. Es gab Nudelsalat (superlecker) und Reibekuchen. Das Beste an dem Essen war jedoch der Nachtisch, Schokoladeneis mit Banane und Ananas. Der Wein war leider nicht sooo geil, hat aber umgerechnet auch nur 2 Euro gekostet. Insgesamt haben wir zu sechst gegessen, 4 Freiwillige und zwei Ghanaische Freunde von uns.
Mit Kerzenschein, Last Christmas von Wham ;) und einem bunt blinkenden Plastik-Weihnachtsbaum hat sich die typisch besinnliche Weihnachtsstimmung sehr schnell eingestellt. Auch wenn der Kartoffelpuffer für unsere Ghanaischen Freunde etwas befremdlich war.
Am 25ten, dem Boxing Day hier in Ghana waren wir morgens in der Kirche. Hier in Ghana dauert der Gottesdienst durchschnittlich 3 Stunden. Tomma und ich haben uns natürlich auch in Schale geworfen und unsere traditionellen Ups and Downs angezogen. Obwohl der Gottesdienst sehr lang war, war er doch ziemlich interessant, weil so viele Leute gekommen sind, die Band und der Gospelchor haben ein paar sehr schöne Lieder angestimmt und dieses Gefühl von Geborgenheit und innerlicher Ruhe war überall zu spüren.
Den ganzen Nachmittag über ist dann jeder seines Weges gegangen. Unser Vater hat von seiner Reise ziemlich viele Bücher mitgebracht und so standen dann den ganzen Tag die Umzugskartons voll mit Büchern in unserem Wohnzimmer und haben ein ganz schönes Chaos verursacht. Ihr kennt das ja, wenn überall dutzende von Umzugskartons herumstehen.
Abends gab es dann Fufu. Da die Zubereitung von Fufu eine ziemliche Schweissarbeit ist, weil Fufu gestampt werden muss, gibt es Fufu meistens nur am Wochenende oder an feierlichen Anlässen. Am Abend als dann alle wieder zu Hause waren, haben Tomma und ich dann eine Schale mit Haribo und einen Teller mit Keksen auf den Tisch gestellt und haben noch ein paar kleine Geschenke verteilt. Obwohl ich den ganzen Tag über das Gefühl hatte, dass das ein Sonntag wie jeder andere ist, hatte ich dann abends, als wir alle zusammen am Wohnzimmertisch saßen wieder das Gefühl „ja, es ist Weihnachten“.
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