Mittwoch, 4. Juli 2012

Reisebericht Teil 2 (von meinem Vater)


Sonntag, den 05.02.2012

Wir haben gut geschlafen und für 10 Uhr Ortszeit sind wir zum Frühstück verabredet. Ortszeit bedeutet, dass man von unserer MEZ eine Stunde abziehen muss; während der europäischen Sommerzeit sind es zwei Stunden, doch die haben wir ja noch nicht.
Unsere beiden ersten Lektionen am heutigen Tag haben wir schon gelernt: gebrauchtes Toilettenpapier kommt in einen separaten Eimer und aus der Dusche kommt nur kaltes Wasser, was aber nicht so kalt ist wie zu Hause. Und den Mund haben wir uns nach dem Zähne putzen mit Wasser aus einer Flasche ausgespült. Künftig benutze ich aber doch aus Gründen der Bequemlichkeit Leitungswasser für diesen Zweck, achte aber darauf, es nicht zu schlucken. Uns Europäern ist empfohlen, in den Tropen Wasser nur aus Flaschen zu trinken und Leitungswasser nur, wenn es abgekocht ist. So lassen sich Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts vermeiden.
Unser Frühstück ist auf der Terrasse gerichtet. Tomma und Sandra warten schon auf uns – sie sind auch sonntags frühes Aufstehen gewohnt. Unser 1. Frühstück in Ghana besteht aus Weißbrot, was wie Toastbrot aussieht, Rührei mit Tomatenstückchen, Margarine, einem großen Teller aufgeschnittener Ananas, heißem Wasser für Tee und Instantkaffee. Während des Frühstücks nehmen Thomas und ich unsere Malarone-Tabletten zum Schutz gegen Malaria ein. Mit der Einnahme haben wir bereits zwei Tage vor der Abreise begonnen, werden sie täglich während der Reise einnehmen und auch noch einige Tage nach unserer Rückkehr. Einen hundertprozentigen Schutz vor einer Erkrankung bieten sie aber nicht.
Hier auf der Terrasse hat Sandra ihr Eingangsfoto des Blogs gemacht. Auch wir hätten von hier diesen Blick, wenn denn freie Sicht wäre. Es ist aber trübe und dunstig, nebelartig – kein blauer Himmel ohne Wolken, wie ich mir die Trockenzeit vorgestellt hatte. Später wird mich Gastvater Kojo aufklären, was es mit dem Dunst auf sich hat. Hier treffen wir auch erstmals auf Tiere, die überall in Ghana anzutreffen sind: Geckos. Sie sind völlig harmlos, sehen aus wie Miniausgaben von Echsen und haben einen farbenfrohen Körper.
Das Sikaso-Haus liegt nur wenige Meter vom Strand entfernt. Den Fahrweg überqueren und schon ist man am Atlantik. Auch wir machen einen Strandspaziergang. Wir treffen auf breiten Sandstrand, eine Gruppe Einheimischer, die es sich im Sand bequem gemacht haben, in einiger Entfernung baden Einheimische, auffällig viele Kinder sind dabei, im Wasser baden zwei ältere Weiße (wo die wohl leben?). Fischerboote sind nicht unterwegs, sie liegen auf dem Strand, Fischer stehen an den Booten, einige flicken ihre Netze. In weiterer Entfernung sieht man zwei höhere Gebäude, wobei es sich um Hotels des Badeortes „Kokrobite“ handeln könnte – da fallen einem doch gleich die Bausünden an Mittelmeerstränden ein. Hier lernen wir auch, dass bestimmte Strandabschnitte von der einheimischen Bevölkerung zur Verrichtung der Notdurft benutzt werden. Das sind die so genannten „Kackstrände“. Die Flut entsorgt die Häufchen schon. Oder man verrichtet seine Notdurft gleich im Wasser. Wir lernen auch, dass wohl die meisten Ghanaer nicht schwimmen können. Und zum Baden wird sich nicht umgezogen, sprich Badehose oder Bikini/Badeanzug angezogen, sondern man geht mit seiner Bekleidung ins Wasser.
Lange können wir uns nicht am Strand aufhalten, denn wir wollen ja noch nach Agona Swedru. Also: Erste Eindrücke von der ghanaischen Küste sammeln und dann zurück zum Haus.
Die bequeme aber teurere Art nach Agona zu fahren, wäre die in einem Taxi. Doch wir bevorzugen die Freiwilligenart des Reisens. Wir verlassen also das Sikaso-Haus mit allem Gepäck und gehen bis zum Fahrweg, was nur einige Meter sind. Am Straßenrand signalisieren wir den Taxis, dass wir mit wollen, denn hier fahren nur Taxis entlang. Es dauert nicht lange und schon hält ein leeres Taxi. Zielort und Fahrpreis werden ausgehandelt, unser Gepäck verstaut und schon geht es los zur nächsten TroTro-Station. Hier heißt es umsteigen in ein TroTro, das direkt nach Agona Swedru fährt. Für unsere Koffer zahlen wir einen Cedi extra pro Gepäckstück, die dann auch im Laderaum verstaut werden.
Ghana-Cedi ist die Währung im Land. Sie lässt sich leicht umrechnen: 1 Cedi entsprechen 50 €-Cent. Cedi wird das Papiergeld genannt, das es in 1, 5, 10, 20 und 50er Scheinen gibt. Das Münzgeld heißt „Pesewas“ und gibt es im gleichen Nennwert wie die Cedi-Scheine.

An dieser Stelle nun eine Darstellung der Fortbewegungsmöglichkeiten in Ghana: Die gebräuchlichsten Fortbewegungsmittel sind Taxi, TroTro und Bus.
Jeder PKW kann Taxi sein. Im Gegensatz zu Deutschland gehören die ghanaischen Taxis nicht der gehobenen Fahrzeugklasse an. Vielmehr kann auch ein Kleinwagen ein Taxi sein. In der Regel handelt es sich um ausrangierte Fahrzeuge aus Europa, vielleicht auch auch Asien, die noch oder wieder fahrfähig sind. Man erkennt ein Taxi an seinen orange-farbenen Ecken. Transportiert werden im Taxi bis zu 6 Personen. Man unterscheidet „Shared“-Taxi mit festem Preis für eine Strecke sowie Zusteigemöglichkeiten von anderen Personen unterwegs und „Drop-In“-Taxi, wo der Fahrpreis ausgehandelt und die Person oder Gruppe alleine transportiert wird. Taxis fahren immer.
Das TroTro ist in der Regel ein umgebauter Van oder Kleintransporter. Auch hier handelt es sich um ausrangierte Fahrzeuge aus Europa oder Asien. In das Fahrzeug werden Sitzreihen eingebaut, wobei bei 2 oder 3 Sitzreihen je ein Sitzplatz klappbar sein muss wegen des Ein- und Aussteigens. Die hinterste Sitzbank ist für 4 Personen vorgesehen. Die anderen Sitzreihen bieten ebenfalls 4 Personen Platz. Normal sind 3 Sitzreihen im Fahrzeug, es gibt aber auch größere Fahrzeuge mit 4 Reihen. Neben dem Fahrer finden 2 bis 3 Personen Platz. Je nach Größe des Fahrzeugs finden 14 bis 18 Personen in einem TroTro Platz. Jedes TroTro verfügt über eine seitliche Schiebetür und Schiebefenster je Sitzplatzreihe. Für die Mitfahrt im TroTro gelten feste Preise. Die Besatzung des TroTros besteht aus zwei Personen, dem Fahrer und dem Kassierer, der gleichzeitig auch die Mitfahrer anlockt durch lautstarkes Ausrufen des Fahrtzieles. Wichtig: TroTros fahren nur ab, wenn alle Plätze besetzt sind; Wartezeiten muss man einplanen.
Um größere Entfernungen zurückzulegen, empfiehlt sich die Fahrt im Metro-Bus. Diese Busse sind mit unseren Linienbussen vergleichbar und bieten Sitzplätze für 62 Reisende. Die Sitzplätze sind alle zum Fahrer hin ausgerichtet. Auch hier bestehen die Seitenfenster aus Schiebefenstern, die in der Regel immer geöffnet sind und so für eine angenehme Temperatur während der Fahrt sorgen. Bei Regen können sie geschlossen werden. Die Metrobusse bieten auch Stauraum für Gepäck und anderes, was die Reisenden mitnehmen. Auch im Fahrgastraum wird alles Mögliche an Gepäck verstaut. Man bezahlt einen festen Fahrpreis. Je nachdem wie beladen der Gastraum ist, werden auch noch Reisende mitgenommen, die den vollen Fahrpreis für einen Stehplatz zahlen und keine Fahrkarte erhalten. Auch für die Busse gilt: sie fahren nur ab, wenn jeder Sitzplatz belegt ist. Und auch hier sind Wartezeiten normal und einzuplanen.
Es gibt auch ein Schienennetz von ca. 1.100 km Länge in Ghana. Verbunden sind die Städte Accra, Kumasi und Sekondi. Das Schienennetz bildet quasi ein Dreieck. Angeschlossen sind auch die Gold-Abbaugebiete. In den Norden Ghanas (ab Kumasi nördlich) führt keine Eisenbahnstrecke. Agona Swedru liegt nicht an der Eisenbahnlinie. Wir haben keine Fahrt mit der ghanaischen Eisenbahn unternommen, ich kann also hierzu keine weiteren Informationen liefern.

Als Fahrgast im TroTro starten wir unsere abenteuerliche Fahrt ins Landesinnere nach Agona Swedru.   


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