Donnerstag, 12. Juli 2012

For the last


Am 01.09.12 ging mein großes Abenteuer los. Seither sind mehr als 10 Monate vergangen und mein Aufenthalt in Ghana neigt sich so langsam dem Ende zu. Da wir am 28ten Juni die Kinder in die so genannten Mid-Terms entlassen haben, ist damit auch meine Arbeit an der SWIS beendet gewesen. Man glaubt es kaum, wie schnell die Zeit vorbei gegangen ist. Letzte Woche wurde ich mal wieder gefragt „Und wann geht’s wieder zurück?“ Da musste ich zum ersten Mal die Antwort geben: diese Woche! NUR NOCH DIESE WOCHE!

Wie ich in meinem letzten Blogbericht bereits erwähnt habe, freue ich mich schon wieder total nach Hause zu kommen, in eine mehr oder weniger gewohnte Umgebung. Klar ist es nicht mehr so, wie ich Deutschland letztes Jahr verlassen habe. Viele meiner Freunde sind inzwischen in verschiedene Städte gezogen und leider habe ich inzwischen auch meine zweite Oma verloren. Aber so ist das, die Welt steht ja nicht still, während ich nicht da bin. So dreht sich halt alles weiter und alles verändert sich. Auch bei mir selber habe ich gemerkt,  dass mich der Freiwilligendienst ganz schön geprägt und verändert hat.

Insgesamt sehe ich dem Ende jetzt schon mit einem weinenden und einem lachenden Auge entgegen, genau wie ich dem Anfang mit einem weinenden und einem lachenden Auge entgegen gesehen habe. Deja Vu.

In den 10 Monaten habe ich mir hier ein ganz eigenes und selbstständiges Leben aufgebaut, neue Freunde und meinen Freund gefunden. Auch wenn es wahrscheinlich kein endgültiger Abschied wird, so wie jetzt wird es trotzdem nie wieder. Im Moment fühle ich mich hier ziemlich heimisch, wenn ich das nächste Mal komme, dann werde ich es als Tourist tun. Außerdem werden auch die anderen Freiwilligen, die hier mit mir zusammen ihren Dienst geleistet haben dann wieder in ganz Deutschland verstreut sein. 

Situationen wie diese gibt es ständig. Erst letztes Jahr wurden wir für immer aus der Europaschule entlassen. Abschiede oder ein Ende hat jeder Abschnitt des Lebens einmal. Meistens beginnt dafür dann ein neues Abenteuer. Für mich wird das wahrscheinlich sein, an die Uni zu gehen um zu studieren. Jeder von uns hat das schon mal durchgemacht, immer begleitet von einem etwas mulmigen Gefühl. Man sollte sich nur nie von dem Gefühl abbringen lassen, denn wenn man immer bei dem Gleichen bleibt und nichts Neues wagt, dann kann man auch dieses Hochgefühl nicht empfinden, was man meistens hat, wenn etwas Neues beginnt.

Bei mir hat dieses Hochgefühl ungewöhnlich lange angehalten, ca. 6 Monate. Es ist normal wenn man am Anfang erstmal eine Euphorie für das Neue und Ungewohnte empfindet. Diese „honeymoon-Phase“ hält durchschnittlich ungefähr 3 Monate an, dann sollte man sich einigermaßen eingelebt haben. Bildlich gesprochen hat man während dieser Phase eine Rosarote Brille auf und nimmt meistens nur die positiven Dinge war.
Wenn man sich einmal richtig eingelebt hat, dann sieht man alles noch mal mit ganz anderen Augen. Vor allem als mein Vater und mein Bruder mich besucht haben, wurde ich auch auf die negativen Seiten Ghanas hingewiesen und habe meine rosa-rote Brille zum ersten Mal abgesetzt.

Schlimm finde ich den Müll, den man hier überall auf den Straßen sieht. Zu dem Müll kommt dann auch ein etwas unangenehmer Geruch, den Müll normalerweise mit sich bringt. Es gibt zwar eine Müllabfuhr, die so genannten „Zoomlions“ aber das Unverständnis über Umweltverschmutzung ist hier noch nicht so gegeben, die Leute haben meistens genug andere Probleme um sich mit so etwas zu befassen. Man muss sagen, dass es aber nicht in allen Regionen so vermüllt ist. Die Central Region, wo ich wohne, ist nur leider sehr davon betroffen. In der Volta Region zum Beispiel ist es nicht unnormal öffentliche Mülleimer auf der Straße zu sehen.

Während ich mit meiner Familie in Kumasi war, musste ich ins Krankenhaus, weil ein Taxi zu nah an mir vorbei gefahren ist und mein Bein gestreift hat. Sofort haben uns 2 Menschen den Weg zum Krankenhaus gezeigt und auch dort wurde ich sehr freundlich empfangen. Dabei ist mir aufgefallen, dass der Arzt zwar sehr kompetent schien, aber leider die medizinischen Möglichkeiten fehlten um die Wunde ordentlich zu verbinden. Zur Sicherheit habe ich auch noch eine Impfung bekommen. Allein das Desinfizieren der Wunde und die Impfung haben mich über 30 Cedis gekostet. Für mich war es kein Problem, die Kosten zu tragen, aber für viele der Einheimischen ist dies nicht möglich, wenn man sieht, was das durchschnittliche Einkommen in Ghana ist.

Dazu kommen die Bauruinen, die vor allem im Süden sehr oft anzufinden sind. Häuser sind sicheres Kapital und mal ehrlich wer träumt nicht von seinem eigenen Haus?! Also wird sobald ein bisschen Geld zusammengespart ist, direkt angefangen zu bauen. Gebaut wird dann solange, bis kein Geld mehr vorhanden ist, dann wird gestoppt und bei Gelegenheit immer mal wieder ein bisschen weitergebaut. So sehe ich es jetzt, am Anfang habe ich diese vielen angefangenen Häuser eher als Symbol des Aufschwungs und kommenden Wohlstands in Ghana angesehen.

All das hat mich aber daran erinnert, dass ich im Moment in einem Entwicklungsland lebe. Im alltäglichen Leben vergisst man das viel zu leicht! In meiner Familie und auch in meiner Freizeit habe ich eigentlich kaum etwas an „deutschem“ Luxus vermisst, ich hatte fließend Wasser und Strom (meistens), einen Internetzugang und immer genug zu Essen, da merkt man im Alltag gar nicht mehr, dass das noch lange nicht Standard für alle Menschen hier in Ghana ist. Deshalb bin ich im Moment auch sehr motiviert, nach meinem Aufenthalt in Ghana die Bande nicht zu kappen und vielleicht finde ich in der Zukunft, wenn ich ordentlich ausgebildet bin,  ja eine Möglichkeit, wie ich als Individuum zur „Entwicklung“ des Landes beitragen kann. Und ich hoffe, dass ich euch mit meinen Berichten ein bisschen zum Nachdenken anregen konnte.

 Um euch nun vielleicht noch ein bisschen weiter zum Nachdenken zu bringen möchte ich euch noch wärmstens den letzten Blogeintrag von Tomma, meiner Gastschwester empfehlen. Er ist richtig gut geschrieben und spricht mir wirklich aus dem Herzen.

Last but not least möchte ich jetzt noch mal meiner Familie, aber auch allen meinen Sponsoren  und meiner Organisation danken. Ihr habt mir dieses unvergessliche Jahr möglich gemacht. VIELEN DANK!
Und natürlich auch ein Dankeschön an all die, die sich immer wieder aufs Neue meine Blogeinträge durchlesen. Dies bestärkt mich darin an den Sinn des Freiwilligendienstes zu glauben, dieser ist nicht die Entwicklung des Landes voran zu treiben, sondern einen Austausch von verschiedenen Kulturen her zu stellen! 

Bis bald in Deutschland, 

eure Sandra

Mittwoch, 4. Juli 2012

Reisebericht Teil 2 (von meinem Vater)


Sonntag, den 05.02.2012

Wir haben gut geschlafen und für 10 Uhr Ortszeit sind wir zum Frühstück verabredet. Ortszeit bedeutet, dass man von unserer MEZ eine Stunde abziehen muss; während der europäischen Sommerzeit sind es zwei Stunden, doch die haben wir ja noch nicht.
Unsere beiden ersten Lektionen am heutigen Tag haben wir schon gelernt: gebrauchtes Toilettenpapier kommt in einen separaten Eimer und aus der Dusche kommt nur kaltes Wasser, was aber nicht so kalt ist wie zu Hause. Und den Mund haben wir uns nach dem Zähne putzen mit Wasser aus einer Flasche ausgespült. Künftig benutze ich aber doch aus Gründen der Bequemlichkeit Leitungswasser für diesen Zweck, achte aber darauf, es nicht zu schlucken. Uns Europäern ist empfohlen, in den Tropen Wasser nur aus Flaschen zu trinken und Leitungswasser nur, wenn es abgekocht ist. So lassen sich Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts vermeiden.
Unser Frühstück ist auf der Terrasse gerichtet. Tomma und Sandra warten schon auf uns – sie sind auch sonntags frühes Aufstehen gewohnt. Unser 1. Frühstück in Ghana besteht aus Weißbrot, was wie Toastbrot aussieht, Rührei mit Tomatenstückchen, Margarine, einem großen Teller aufgeschnittener Ananas, heißem Wasser für Tee und Instantkaffee. Während des Frühstücks nehmen Thomas und ich unsere Malarone-Tabletten zum Schutz gegen Malaria ein. Mit der Einnahme haben wir bereits zwei Tage vor der Abreise begonnen, werden sie täglich während der Reise einnehmen und auch noch einige Tage nach unserer Rückkehr. Einen hundertprozentigen Schutz vor einer Erkrankung bieten sie aber nicht.
Hier auf der Terrasse hat Sandra ihr Eingangsfoto des Blogs gemacht. Auch wir hätten von hier diesen Blick, wenn denn freie Sicht wäre. Es ist aber trübe und dunstig, nebelartig – kein blauer Himmel ohne Wolken, wie ich mir die Trockenzeit vorgestellt hatte. Später wird mich Gastvater Kojo aufklären, was es mit dem Dunst auf sich hat. Hier treffen wir auch erstmals auf Tiere, die überall in Ghana anzutreffen sind: Geckos. Sie sind völlig harmlos, sehen aus wie Miniausgaben von Echsen und haben einen farbenfrohen Körper.
Das Sikaso-Haus liegt nur wenige Meter vom Strand entfernt. Den Fahrweg überqueren und schon ist man am Atlantik. Auch wir machen einen Strandspaziergang. Wir treffen auf breiten Sandstrand, eine Gruppe Einheimischer, die es sich im Sand bequem gemacht haben, in einiger Entfernung baden Einheimische, auffällig viele Kinder sind dabei, im Wasser baden zwei ältere Weiße (wo die wohl leben?). Fischerboote sind nicht unterwegs, sie liegen auf dem Strand, Fischer stehen an den Booten, einige flicken ihre Netze. In weiterer Entfernung sieht man zwei höhere Gebäude, wobei es sich um Hotels des Badeortes „Kokrobite“ handeln könnte – da fallen einem doch gleich die Bausünden an Mittelmeerstränden ein. Hier lernen wir auch, dass bestimmte Strandabschnitte von der einheimischen Bevölkerung zur Verrichtung der Notdurft benutzt werden. Das sind die so genannten „Kackstrände“. Die Flut entsorgt die Häufchen schon. Oder man verrichtet seine Notdurft gleich im Wasser. Wir lernen auch, dass wohl die meisten Ghanaer nicht schwimmen können. Und zum Baden wird sich nicht umgezogen, sprich Badehose oder Bikini/Badeanzug angezogen, sondern man geht mit seiner Bekleidung ins Wasser.
Lange können wir uns nicht am Strand aufhalten, denn wir wollen ja noch nach Agona Swedru. Also: Erste Eindrücke von der ghanaischen Küste sammeln und dann zurück zum Haus.
Die bequeme aber teurere Art nach Agona zu fahren, wäre die in einem Taxi. Doch wir bevorzugen die Freiwilligenart des Reisens. Wir verlassen also das Sikaso-Haus mit allem Gepäck und gehen bis zum Fahrweg, was nur einige Meter sind. Am Straßenrand signalisieren wir den Taxis, dass wir mit wollen, denn hier fahren nur Taxis entlang. Es dauert nicht lange und schon hält ein leeres Taxi. Zielort und Fahrpreis werden ausgehandelt, unser Gepäck verstaut und schon geht es los zur nächsten TroTro-Station. Hier heißt es umsteigen in ein TroTro, das direkt nach Agona Swedru fährt. Für unsere Koffer zahlen wir einen Cedi extra pro Gepäckstück, die dann auch im Laderaum verstaut werden.
Ghana-Cedi ist die Währung im Land. Sie lässt sich leicht umrechnen: 1 Cedi entsprechen 50 €-Cent. Cedi wird das Papiergeld genannt, das es in 1, 5, 10, 20 und 50er Scheinen gibt. Das Münzgeld heißt „Pesewas“ und gibt es im gleichen Nennwert wie die Cedi-Scheine.

An dieser Stelle nun eine Darstellung der Fortbewegungsmöglichkeiten in Ghana: Die gebräuchlichsten Fortbewegungsmittel sind Taxi, TroTro und Bus.
Jeder PKW kann Taxi sein. Im Gegensatz zu Deutschland gehören die ghanaischen Taxis nicht der gehobenen Fahrzeugklasse an. Vielmehr kann auch ein Kleinwagen ein Taxi sein. In der Regel handelt es sich um ausrangierte Fahrzeuge aus Europa, vielleicht auch auch Asien, die noch oder wieder fahrfähig sind. Man erkennt ein Taxi an seinen orange-farbenen Ecken. Transportiert werden im Taxi bis zu 6 Personen. Man unterscheidet „Shared“-Taxi mit festem Preis für eine Strecke sowie Zusteigemöglichkeiten von anderen Personen unterwegs und „Drop-In“-Taxi, wo der Fahrpreis ausgehandelt und die Person oder Gruppe alleine transportiert wird. Taxis fahren immer.
Das TroTro ist in der Regel ein umgebauter Van oder Kleintransporter. Auch hier handelt es sich um ausrangierte Fahrzeuge aus Europa oder Asien. In das Fahrzeug werden Sitzreihen eingebaut, wobei bei 2 oder 3 Sitzreihen je ein Sitzplatz klappbar sein muss wegen des Ein- und Aussteigens. Die hinterste Sitzbank ist für 4 Personen vorgesehen. Die anderen Sitzreihen bieten ebenfalls 4 Personen Platz. Normal sind 3 Sitzreihen im Fahrzeug, es gibt aber auch größere Fahrzeuge mit 4 Reihen. Neben dem Fahrer finden 2 bis 3 Personen Platz. Je nach Größe des Fahrzeugs finden 14 bis 18 Personen in einem TroTro Platz. Jedes TroTro verfügt über eine seitliche Schiebetür und Schiebefenster je Sitzplatzreihe. Für die Mitfahrt im TroTro gelten feste Preise. Die Besatzung des TroTros besteht aus zwei Personen, dem Fahrer und dem Kassierer, der gleichzeitig auch die Mitfahrer anlockt durch lautstarkes Ausrufen des Fahrtzieles. Wichtig: TroTros fahren nur ab, wenn alle Plätze besetzt sind; Wartezeiten muss man einplanen.
Um größere Entfernungen zurückzulegen, empfiehlt sich die Fahrt im Metro-Bus. Diese Busse sind mit unseren Linienbussen vergleichbar und bieten Sitzplätze für 62 Reisende. Die Sitzplätze sind alle zum Fahrer hin ausgerichtet. Auch hier bestehen die Seitenfenster aus Schiebefenstern, die in der Regel immer geöffnet sind und so für eine angenehme Temperatur während der Fahrt sorgen. Bei Regen können sie geschlossen werden. Die Metrobusse bieten auch Stauraum für Gepäck und anderes, was die Reisenden mitnehmen. Auch im Fahrgastraum wird alles Mögliche an Gepäck verstaut. Man bezahlt einen festen Fahrpreis. Je nachdem wie beladen der Gastraum ist, werden auch noch Reisende mitgenommen, die den vollen Fahrpreis für einen Stehplatz zahlen und keine Fahrkarte erhalten. Auch für die Busse gilt: sie fahren nur ab, wenn jeder Sitzplatz belegt ist. Und auch hier sind Wartezeiten normal und einzuplanen.
Es gibt auch ein Schienennetz von ca. 1.100 km Länge in Ghana. Verbunden sind die Städte Accra, Kumasi und Sekondi. Das Schienennetz bildet quasi ein Dreieck. Angeschlossen sind auch die Gold-Abbaugebiete. In den Norden Ghanas (ab Kumasi nördlich) führt keine Eisenbahnstrecke. Agona Swedru liegt nicht an der Eisenbahnlinie. Wir haben keine Fahrt mit der ghanaischen Eisenbahn unternommen, ich kann also hierzu keine weiteren Informationen liefern.

Als Fahrgast im TroTro starten wir unsere abenteuerliche Fahrt ins Landesinnere nach Agona Swedru.   


Donnerstag, 10. Mai 2012

Hitting the road to travel to unknown places


 SO so, vor ein paar Tagen sind wir von unserer Reise zurückgekommen und seit Dienstag ist  die Schule wieder dran, deshalb wollte ich die Gelegenheit nutzen euch ein bisschen von meiner Reise zu erzählen bevor der Alltag wieder richtig losgeht. Insgesamt haben Tomma und inzwischen alle 10 Regionen Ghanas gesehen und haben zusätzlich noch einen kurzen Abstecher nach Togo gemacht. Damit ihr euch die Orte und unsere Erlebnisse besser vorstellen könnt, habe ich zusätzlich auch viele viele Bilder gemacht. Insgesamt über 1200 Fotos in drei Wochen.

Am 15 April gings für Tomma und mich los. Von Swedru aus, erstmal nach Accra und dann nach Aflao, dem südlichsten Grenzübergang zwischen Ghana und Togo. Direkt auf der Togolesischen Seite befindet sich dann schon Lomé, die togolesische Hauptstadt. Sobald man in Aflao aus dem Tro steigt, wird man schon begrüßt von Männern mit einem Bündel von Geld in der Hand um deine Ghanaischen Cedis in Togolesische CFA umzutauschen. Bepackt nur mit unseren Trekking Rucksäcken und den wichtigsten Sachen müssen wir zuerst zum Immigration office um den Ausreisestempel von den Ghanaischen Beamten irgendwo in den 32 Seiten des roten Büchleins zu bekommen, dass dich als Bürger der Europäischen Union auszeichnet. Dann geht’s weiter zum Immigration Office Togos. Während alle anderen zur Gepäckkontrolle müssen, werden Tomma und ich als einzige einfach so durch gewunken. 10.000 CFA hat uns das Visum für 7 Tage gekostet dann durften wir einreisen. Als wir dann mit dem Taxi aus dem Grenzgebiet rausfahren wollten, wurde das Taxi von einem  Mann in Uniform angehalten. Er blieb an unserem Fenster stehen und fragte uns total ernst, was wir in unseren Rucksäcken haben. Ein bisschen eingeschüchtert antworteten wir dass wir Klamotten und Hygieneartikel mit uns führen. Darauf meinte er: „Oh ok, I love you!“ So anders ist Togo also doch nicht.

Insgesamt haben wir 2 Tage in Lomé verbracht, wir waren am Strand und sind auf der Suche nach einer Künstlergemeinde durch die ganze Stadt gelaufen. Gerade als wir es gefunden hatten mussten wir dann auch schon wieder gehen, da wir erstmal eine Bank suchen mussten. Also haben wir uns mit Motorrädern, den dort gängigen Verkehrsmitteln kurz zur Bank und wieder zurück fahren lassen. Es war echt interessant zu sehen, wie die Künstler dort in ihren Ateliers oder ihrer Schmiede arbeiten. Billig war der Besuch nicht, aber wann kommt man mal wieder nach Togo. Als wir uns am 17ten mittags auf den Weg zur Station machen wollten um nach Kpalimé zu fahren, wurden wir auf der Straße von einem Mann angesprochen. Er stellte sich auf Englisch vor und erzählte uns dann von seinem Problem. Der Mann, besitzt einen Shop in Accra, ist Diabetiker Typ 1 und war auf einem Transitflug. In Lomé hat er wohl einen längeren Stopp gemacht und wollte sich ein bisschen die Stadt angucken. Er ist mit einem Taxi in die Stadt gefahren und hat in dem Taxi seine Tasche mit dem Insulin vergessen. Taxizentralen gibt es nicht, er hatte also nun ein großes Problem, denn Diabetiker dieses Typs müssen sich mehrmals täglich Insulin spritzen. Er hatte versucht Geld abzuheben, aber mit American Express kommt man nicht so weit. Sowohl Tomma wie auch ich waren erstmal ein bisschen überrumpelt und wussten gar nicht was gerade passiert. Wir stimmten aber trotzdem zu, ihm zu helfen, ihn zum Krankenhaus zu begleiten und für sein Insulin aufzukommen. Während Tomma im Taxi auf unsere Taschen aufpasste ging ich mit dem Mann ins Krankenhaus. Eine Box Insulin ist ziemlich teuer, selbst in Deutschland, das weiß ich weil ich in meiner Familie auch einen Fall von Diabetik habe. Weder Tomma noch ich hatten genug Geld in bar dabei, deshalb mussten wir, nachdem der Mann seine erste Insulinspritze bekommen hat, die er sich auch direkt vor meinen Augen gesetzt hat, damit wir nicht denken, dass er uns verarscht, erstmal wieder zur Bank. Mit 200.000 CFA weniger auf dem Konto sind wir dann wieder zurück in Richtung Krankenhaus.
So wurde es Spätnachmittag bis wir in Kpalimé angekommen sind. Dort haben wir uns erstmal in ein Restaurant gesetzt um auf den Anruf von Lily, einer Freiwilligen in Togo zu warten. Wie sich dann rausstellte  saß sie in dem gleichen Restaurant ein paar Meter weiter, zusammen mit ein paar anderen Freiwilligen aus Togo und der zweiten Gruppe von Ghanaischen Freiwilligen aus Ghana, die ihre Ferien auch für einen Ausflug nach Togo nutzen wollten.

Am nächsten Tag, dem 18ten April hatten wir mit Lily einen Ausflug zu einem Wasserfall in den Bergen Kpalimés geplant. Mittags sind wir erstmal zusammen Fufu essen gegangen, was nicht nur anders zubereitet wird sondern auch ganz anders schmeckt, da nur Yam als Zutat verwendet wird. Mit drei Motos ging’s dann durch die Berge zu einem etwas abgelegenen Dorf. Dort trafen wir auf die anderen Ghanaer und ein paar Togolesen und zusammen sind wir dann zu 12 in einem 5-Mann Pkw in die Nähe des Wasserfalls. Wir mussten dann zu Fuß weiter, einen schmalen Pfad hoch und runter durch die Berge. Nach ein paar Stunden an dem Wasserfall ging’s dann auch zurück. Eigentlich war ich schon vollkommen fertig aber wir hatten uns mit den anderen noch verabredet um etwas zu trinken, also kurz duschen und dann wieder los. Für mich war der Abend nicht so gelungen, weil, oh wunder, ziemlich viel Französisch gesprochen wurde, ich nur leider nix verstanden hab. Irgendwann kurz bevor Tomma und ich gehen wollten, hörte ich dann von den Togolesen „Happy anniverseraire“, ihnen wurde gerade erst gesteckt, dass heute mein Geburtstag war.

Nachdem wir uns in Ruhe Kpalimé, die togolesische Hochburg der Freiwilligen, angeguckt haben sind wir am 20ten zurück nach Ghana, genauer nach Ho. Um 14 Uhr waren wir an der Station und der Fahrer meinte es geht gleich los. Jaja, Ghana-Time. Die Zeit des Wartens war aber gar nicht so schlimm. Wir saßen gemütlich im Schatten, zwischen 30 Muslimischen Männern. Ziemlich interessant da einfach mal ne Zeit zuzugucken wie sie ihr alltägliches Leben leben. Interessant fand ich auch die rituelle Waschung vor dem Gebet. Gegen 17:30 Uhr sind wir dann endlich los, mit Tausend Gepäckstücken auf dem Dach durch einen ziemlich dichten Wald ohne gepflasterte Straße. Wie auch schon beim ersten Grenzübergang mussten wir zweimal unsere Pässe zeigen um wieder ein paar Stempel in unserem Pass zu erhalten. Die anderen Passagiere mussten jeweils einen Cedi zahlen und so haben wir mit der ganzen Bürokratie das ganze Tro aufgehalten. Um 6 Uhr wird es in Westafrika dunkel, so ging’s dann im Dunkeln nach Ho.
In der Nähe von Ho ist das Kalakpa Wildlife Sanctuary, das haben wir uns dann am nächsten Tag angeguckt. Außer wilden Schnecken und Schmetterlingen haben wir zwar nichts gesehen, aber der zweistündige Gang durch die Natur war wirklich toll. Natürlich hatten wir nicht dran gedacht uns die Nummer von den Fahrern der Motos geben zu lassen so blieb uns dann nichts anderes übrig, als zurück zum Dorf zu gehen. So gingen wir mit unserem Guide los, da es in Ghana unhöflich ist, Gäste nicht ein Stück nach Hause zu begleiten. Es waren zwar nur 3km, allerdings war es ziemlich heiß, weit und breit kein Schatten.

Am 22ten April sind wir dann nach Akosombo, wo wir den Rest unserer Gruppe treffen wollten. Beim einchecken in unser Guesthouse sind mir dann noch zwei Freiwillige aus Kumasi über den Weg gelaufen, die ich von dem fid-Seminar kannte. Lustig wie klein die Welt doch ist. Nach und nach trudelten dann die anderen vier ein, von nun an waren wir also zu sechst.

Die Fährfahrt über den Volta-Lake war ziemlich unspektakulär. Wir sind nachmittags los, haben die Nacht auf Holzbänken auf dem Deck verbracht und sind in der nächsten Nacht so gegen 1 Uhr an Land gegangen. Am zweiten Abend gab es ein starkes Gewitter mit Sturm und kübelweise Regen, aber es war auch irgendwie angenehm, weil dadurch die Luft um einige Grad abgekühlt ist. Wir sind dann am nächsten Tag von Yeji nach Tamale gefahren. Tamale, die „Bundeshauptstadt“ der Northern Region ist ziemlich anders als Swedru. Es gibt einen richtigen Fußgängerweg, die Straßen sind besser ausgebaut und insgesamt ist es viel ruhiger. Und trotzdem ist Tamale nicht unbedingt weiterentwickelt, da man sobald man die Hauptstraße verlässt direkt in dörfliche Verhältnisse hineinspaziert. Von Tamale aus ging es nach Bolgatanga und am selben Tag noch nach Paga, dem Grenzübergang nach Burkina Faso, mit drei Touristenattraktionen. Zum einen gibt es in Paga die heiligen Krokodile, ein Sklavencamp und dann noch den Chief’s Palace. Wir haben allerdings nur die Krokodile und das Sklavencamp gemacht, da jede dieser Besuche 9 Cedi Eintritt kostet für uns. Dabei wird immer unterschieden, ob du Ghanaer oder Ausländer bist. Ausländer zahlen meistens das Doppelte.

Von Bolgatanga sind wir weiter nach Wa, die Fahrt mit dem Metro Mass Bus hat insgesamt 9 Stunden gedauert und man musste vor 4 Uhr morgens schon an der Station sein, um sich ein Ticket zu sichern. Als wir also in Wa ankamen, waren wir alle ziemlich erschöpft. Eigentlich wollten wir aber gar nicht nach Wa sondern nach Wechiau, gelegen am Black Volta, der natürlichen Grenze zwischen Ghana und Burkina Faso. Dort gibt es ein ca. 40km² großes Reservat für Flusspferde. Um zu der „Lodge“ zu kommen, sind wir 18km mit Fahrrädern, die in Deutschland nicht mal mehr meine Omi fahren würde, durch die Nachmittagshitze Afrikas gefahren. Die Straße bestand aus Sand und die Sonne schien gnadenlos auf unsere Köpfe.
Dennoch war es das Geld wert, da man so das Land noch einmal auf ganz andere Weise entdecken konnte. Als wir ankamen mussten wir uns das selbst mitgebrachte Essen über einer Feuerstelle warm machen, bevor um 6 Uhr auch schon wieder die Sonne geht.
Wir alle haben glaub ich in der Nacht sehr gut geschlafen. Auf dem Dach der Lodge wurden für uns Matratzen mit Mosquitonetzen aufgebaut. Als ich in der Nacht kurz wach wurde, blinkten mir tausende von Sternen entgegen, da es in einem 20 km Radius keine Elektrizität gibt.
Morgens sind wir mit unserem Führer los, allerdings sind Flusspferde eher nachtaktiv, während des Tages bleiben sie im Wasser nur nachts gehen sie ans Ufer um zu grasen. So haben wir drei Flusspferde, bzw. drei Schnuten an der Wasseroberfläche gesehen. Am Anfang fand ich es ein bisschen enttäuschend, aber dann ist es doch hundert Mal besser, als die Tiere in einem Käfig eingesperrt zu beobachten.

Unser nächster großer Stopp war dann der Mole National Park, Heimat für etliche Vogelarten, Antilopen und andere Tiere wie Elephanten oder Wildschweine. Bei unserer Ankunft im Mole Motel war gerade eine Gruppe von 11 Elefanten am Wasser, was für ein perfektes Timing. Während Tomma, Hanna und ich uns ganz fasziniert die Elefanten angeguckt haben war das erste was die Jungs gemacht haben, in den Pool des Hotels zu springen.
Auch in dieser Nacht hat es wieder ziemlich gewittert und geregnet, so dass wir den geplanten guided walk morgens um 7 Uhr leider streichen mussten. War wahrscheinlich gar nicht schlecht, da Tomma inzwischen Fieber bekommen hatte. Auch Hanna war noch angeschlagen weil sie zu Beginn der Reise Malaria bekommen hat.  Nach einem Besuch in der Klinik des Nationalparks habe ich mit 2 anderen Besuchern einen Ausflug nach Larabanga gemacht, wo die älteste Moschee Ghanas zu finden ist. Später bin ich dann zusammen mit meiner Gruppe auf eine „Jeep“-Safari gegangen. Haha von wegen, da der einzige Jeep-Fahrer gerade auf Tour war, wurden wir kurzerhand in ein Trotro gesteckt.
In den 2 Stunden für 100 Cedi haben wir dutzende Antilopen, einige Pumbas (aber keine Timons) gesehen und das Highlight war die Sichtung eines Elefanten. Auch die nächste Nacht war wieder ziemlich kurz, da der Bus den Mole Park um 3:30Uhr morgens verlässt. Jeden Tag pendelt der Bus zwischen Mole Park und Tamale, allerdings macht er auch täglich nur eine Fahrt in beide Richtungen. Da wir Tamale schon gesehen hatten sind wir dann direkt weiter gefahren nach Kumasi, die „Hauptstadt“ der Ashanti-Region. Insgesamt saßen wir über 10 Stunden im Bus. Da wir alle inzwischen ziemlich blank waren haben wir dann beschlossen am nächsten Tag, dem 4ten Mai, wieder nach Hause zu fahren.

Was mir während dieser Reise aufgefallen ist, ganz abgesehen von den Unterschieden zwischen Nord und Süd, ist, dass es zwar schön ist zu reisen, aber umso schöner ist es dann auch endlich wieder nach Hause zu kommen und dort mit offenen Armen und einem fetten Grinsen empfangen zu werden.

Home sweet home.  66 Tage noch, dann geht’s auch endlich wieder zurück nach Deutschland!

Mittwoch, 11. April 2012

Meine Familie in Ghana (Teil 1)


Liebe Leserinnen und Leser,

dieser Blogeintrag ist nicht von Sandra verfasst sondern ihrem Vater. Mein Name ist Barthel Korn. Im Februar 2012 waren mein Sohn Thomas und ich in Ghana und haben Sandra besucht. Hier nun mein Bericht über unsere Reise. Wegen des Umfangs sende ich Sandra Teilberichte und beginne mit dem Ab-/Anreisetag.

Die Koffer sind gepackt. Erlaubt ist uns die Mitnahme von je zwei Gepäckstücken à 23 kg.  Wir nehmen jeder zwei Koffer mit, die prall gefüllt sind. Was habe ich nicht alles besorgt: Schwarzbrot, Tütensuppen, Suppennudeln, Nutella, Marmelade, diverse Teesorten, Mengen an Schokolade und Süßigkeiten, Shampoo, Zahnpasta und Zahnbürsten, Körperlotion, Sonnenschutzcreme, verschiedene Karten- und Gesellschaftsspiele, einige Bücher, Medikamente gegen Durchfall, Malaria, Insektenstiche, Gelenkschmerzen, Mittel zum Einreiben um Insekten zu verscheuchen und last but not least zwei Puppen als Geschenk für die Gastschwestern. Sandra hatte noch dunkle Bekleidung in Auftrag gegeben, weil ihre vorhandene helle bei der Handwäsche nicht immer ganz sauber wird. Alles das und unsere eigenen Sachen haben die vier Koffer randvoll gefüllt und wir liegen nur knapp unter der erlaubten Gewichtsgrenze. Zusätzlich habe ich noch eine Rolle mit Schullinealen und Zeigestöcken dabei. Die Geodreiecke und Fußbälle passten noch in die Koffer. Auch dies ein Wunsch von Sandra, gedacht für ihre Schule.
Samstag, der 04. Februar 2012 - Abreisetag. Es ist bitterkalt draußen. Das Thermometer zeigt um 8 Uhr  – 15° C an. Unsere Partnerinnen bringen uns und unser Gepäck zum örtlichen Bahnhof, wo wir uns von ihnen für die nächsten zweieinhalb Wochen verabschieden. Ich hatte zwar nicht vor, meine Winterjacke mit in die Tropen zu nehmen, doch die Kälte lässt sie mich anbehalten. Über Köln geht es mit der Bahn zum Frankfurter Flughafen. Wir sind zeitig dort, können unser Gepäck schon aufgeben, nur die Rolle soll ich versuchen als Handgepäck mit in die Kabine zu nehmen. Bei Pass-, Handgepäck- und Personenkontrolle haben wir keine Probleme. Gegen 14:20 Uhr startet die Lufthansa-Maschine nach Accra. Vor uns liegen 6 ½ Stunden Flugzeit.
Nach ruhigem Flug landet das Flugzeug gegen 20:00 Uhr Ortszeit auf dem Flughafen Kotoka in Accra. Es ist Nacht in Accra. Die Maschine steht vor dem Ankunftsterminal. Andockmöglichkeiten gibt es nicht. Über mobile Treppen verlassen wir das Flugzeug und werden empfangen von sehr warmer Luft. Es werden + 25° C sein, denn das ist die normale Nachttemperatur in der Accra-Region. Da haben wir an diesem Tag doch tatsächlich einen Temperaturunterschied von 40° C mitgemacht. Ich habe es erstaunlich gut verkraftet und bin nicht kollabiert. Und, ich bin erstmalig in meinem Leben in Afrika und gespannt, was mich erwartet. Busse bringen uns zum Ankunftsterminal. Warten an der Gepäckausgabe, erneute Passkontrolle mit erkennungsdienstlicher Behandlung durch das Scannen von Fingerabdrücken, Abgabe des Einreiseformulars (freundlicherweise ergänzt die Beamtin eine nicht ausgefüllte Stelle), weiter gehen. Unsicher folgen wir der Beschilderung zur Ankunftshalle erwartend, dass wir noch zur Gepäckkontrolle gebeten werden. Dem ist aber nicht so, denn kontrolliert werden anscheinend nur farbige Einreisende. Rucksack auf dem Rücken, beide Hände Koffer ziehend und ich noch die Rolle zwischen Arm und Körper eingeklemmt tragend, so erreichen wir die Ankunftshalle. Welche Freude, wir werden erwartet. Sandra und Tomma sind beide da. Wir fallen uns in die Arme – es ist sehr schön meine Tochter nach über 5 Monaten Abwesenheit wieder persönlich umarmen zu können. Und Tomma lerne ich nun auch kennen.
Sandra hat ein Taxi für uns bestellt. Wir fahren nicht gleich nach Agona Swedru sondern übernachten zunächst im ARA-Schulungshaus, das außerhalb Accras am Meer liegt. Außerhalb der Ankunftshalle werden wir gleich angesprochen. Taxi? Taxi? Wir sind Weiße und man kann uns ja ansehen, dass wir ein Transportmittel für all unser Gepäck benötigen. Sandra verneint die Anfragen und ich ignoriere sie, folge Sandra und Tomma zum Parkplatz. Der liegt gleich dem Flughafengebäude gegenüber, nur getrennt durch die Straße. Meine erste Überraschung, der Platz ist nicht asphaltiert. Wie in aller Welt finden wir denn bei den vielen Fahrzeugen unser Taxi? Wofür gibt es denn dass Handy! Sandra ruft Kofi, unseren Fahrer an, erkundigt sich, dass er auch da ist, doch es dauert eine Zeit und weitere Anrufe, bis er uns gefunden hat. Unsere Koffer passen gerade in den Kofferraum, unser Handgepäck müssen wir mit in den Gastraum nehmen. Vor uns liegt eine Stunde Fahrt durch das nächtliche Accra nach Bortianor zum Sikapa Beach Resort. Viel ist mir von dieser Fahrt nicht in Erinnerung geblieben. Eingeprägt hat sich mir aber der ständige Gebrauch der Hupe des Autos, wie ich auch feststelle, dass andere Fahrzeuge ebenfalls ständig hupen. Und irgendwann verlassen wir die Straße und fahren auf unbefestigtem Weg weiter. Kofi fährt Schlangenlinien um möglichst den Schlaglöchern auszuweichen. Dann haben wir es geschafft. Wir werden empfangen und begrüßt von John, der uns die Zimmer zuweist. Wir sind die einzigen Gäste und er hat für uns schon die Klimaanlage laufen lassen, so sind die Zimmer angenehm kühl. Weil die Klimaanlage eingeschaltet ist, wird es diese Nacht auch keine Probleme mit Mosquitos geben, weil es für die in unserem Schlafraum zu kalt ist. Auf der Terrasse sitzen wir noch wenigstens eine Stunde, erzählen uns Neuigkeiten und stillen unseren Durst. Thomas und ich erhalten eine erste Einführung in das Leben in Ghana, was auf uns zukommen wird und wie wir uns verhalten sollen. Wir verabreden uns zum Frühstück und wünschen uns eine gute Nacht. Vorsichtshalber cremen wir uns doch mit Anti-Mücken-Mittel ein, weil wir nicht unter einem Mosquitonetz schlafen werden, lauschen noch den fremden Geräuschen vor dem Einschlafen. 
Für Sandra und Tomma ist es eine Nacht wie jede andere auch, für Thomas und mich unsere erste in Afrika.              


Montag, 27. Februar 2012

ES WEIHNACHTET IN GHANA


Um ehrlich zu sein fand ich es anfangs ein bisschen komisch, Weihnachten hier in Ghana zu feiern. Irgendwie konnte ich es mir nicht wirklich vorstellen. Was schon auffällig war, ist, dass auch die Supermärkte hier ihr Sortiment an Weihnachtskeksen deutlich aufgestockt haben. So musste ich auch hier nicht auf die Dänischen Butterkekse verzichten, die es auch bei uns zu Hause traditionell zu Weihnachten gibt. Wahrscheinlich 100 mal teuerer, aber was solls.
Eigentlich hatten wir geplant, uns am 24ten nachmittags mit den restlichen Freiwilligen im Greenland Hotel zu treffen. Dort sind wir am Wochenende schon mal öfter, einfach um ein bisschen von dem ganzen Stress und der Reizüberflutung weg zu kommen. Allerdings ist planen hier in Ghana auch so eine Sache. Unser Gastvater ist am 23ten Dezember nach Hause gekommen und hat Tomma und mich gefragt, ob wir nicht mit der ganzen Familie zu seiner Heimatstadt fahren wollen. Eigentlich fanden wir das eine sehr schöne Idee, weil es bei Weihnachten nicht um die Geschenke geht, sondern Zeit mit geliebten Menschen zu verbringen. Eigentlich wollten wir uns um 6 Uhr morgens auf den Weg machen. Mein Wecker ging um 5:30 Uhr und als ich aus dem Zimmer getapst kam, meinte meine Gastmutter: „ Oh it’s too early, go back to bed and sleep some more!“ Da ich sowieso noch ziemlich müde war habe ich natürlich nicht widersprochen. Im Endeffekt haben wir uns dann um 10 Uhr auf den Weg gemacht. Wir sind dann mit unserem privaten Fahrer zuerst nach Winneba gefahren, weil Kojo noch eine Tante besuchen musste. Diese Tante hat ein Kind in Deutschland und so hat sie Kojo als Geschenk für uns eine große Packung mit Lambertz Keksen mitgegeben. Ihr glaubt nicht, wie herrlich die geschmeckt haben!
Danach sind wir dann auf direktem Wege nach Senya Beraku gefahren. Tomma und ich mussten lachen, als wir das Ortsschild gesehen haben, weil Senya auch die erste Station auf unserer Reise sein sollte. Allerdings sind wir gar nicht in die Stadt gefahren, sondern zu einem Haus etwas außerhalb. Wir wurden dann direkt in das Haus geführt und standen auf einmal mitten in einer Verlobungsfeier. Zuerst wurden dem Paar die Verlobungsgeschenke präsentiert, dann kam der Pfarrer und hat die Beiden über die Ehe und ihre Pflichten aufgeklärt, danach wurde der Frau ein ziemlich großer Verlobungsring angesteckt und dann wurde gegessen. Insgesamt war es ziemlich süß, weil man den Beiden die ganze Zeit angemerkt hat, dass sie verliebt sind. Tomma und ich mussten die Feierlichkeit jedoch vorzeitig schon verlassen weil wir uns um 15:30 Uhr treffen wollten, um die Zutaten für unser Weihnachtsessen zu kaufen. Es gab Nudelsalat (superlecker) und Reibekuchen. Das Beste an dem Essen war jedoch der Nachtisch, Schokoladeneis mit Banane und Ananas. Der Wein war leider nicht sooo geil, hat aber umgerechnet auch nur 2 Euro gekostet. Insgesamt haben wir zu sechst gegessen, 4 Freiwillige und zwei Ghanaische Freunde von uns.
Mit Kerzenschein, Last Christmas von Wham ;) und einem bunt blinkenden Plastik-Weihnachtsbaum hat sich die typisch besinnliche Weihnachtsstimmung sehr schnell eingestellt. Auch wenn der Kartoffelpuffer für unsere Ghanaischen Freunde etwas befremdlich war.
Am 25ten, dem Boxing Day hier in Ghana waren wir morgens in der Kirche. Hier in Ghana dauert der Gottesdienst durchschnittlich 3 Stunden. Tomma und ich haben uns natürlich auch in Schale geworfen und unsere traditionellen Ups and Downs angezogen. Obwohl der Gottesdienst sehr lang war, war er doch ziemlich interessant, weil so viele Leute gekommen sind, die Band und der Gospelchor haben ein paar sehr schöne Lieder angestimmt und dieses Gefühl von Geborgenheit und innerlicher Ruhe war überall zu spüren.
Den ganzen Nachmittag über ist dann jeder seines Weges gegangen. Unser Vater hat von seiner Reise ziemlich viele Bücher mitgebracht und so standen dann den ganzen Tag die Umzugskartons voll mit Büchern in unserem Wohnzimmer und haben ein ganz schönes Chaos verursacht. Ihr kennt das ja, wenn überall dutzende von Umzugskartons herumstehen.
Abends gab es dann Fufu. Da die Zubereitung von Fufu eine ziemliche Schweissarbeit ist, weil Fufu gestampt werden muss, gibt es Fufu meistens nur am Wochenende oder an feierlichen Anlässen. Am Abend als dann alle wieder zu Hause waren, haben Tomma und ich dann eine Schale mit Haribo und einen Teller mit Keksen auf den Tisch gestellt und haben noch ein paar kleine Geschenke verteilt. Obwohl ich den ganzen Tag über das Gefühl hatte, dass das ein Sonntag wie jeder andere ist, hatte ich dann abends, als wir alle zusammen am Wohnzimmertisch saßen wieder das Gefühl „ja, es ist Weihnachten“.