Liebe Leserinnen und Leser,
dieser Blogeintrag ist nicht von Sandra verfasst sondern ihrem Vater. Mein Name ist Barthel Korn. Im Februar 2012 waren mein Sohn Thomas und ich in Ghana und haben Sandra besucht. Hier nun mein Bericht über unsere Reise. Wegen des Umfangs sende ich Sandra Teilberichte und beginne mit dem Ab-/Anreisetag.
Die Koffer sind gepackt. Erlaubt ist uns die Mitnahme von je zwei Gepäckstücken à 23 kg. Wir nehmen jeder zwei Koffer mit, die prall gefüllt sind. Was habe ich nicht alles besorgt: Schwarzbrot, Tütensuppen, Suppennudeln, Nutella, Marmelade, diverse Teesorten, Mengen an Schokolade und Süßigkeiten, Shampoo, Zahnpasta und Zahnbürsten, Körperlotion, Sonnenschutzcreme, verschiedene Karten- und Gesellschaftsspiele, einige Bücher, Medikamente gegen Durchfall, Malaria, Insektenstiche, Gelenkschmerzen, Mittel zum Einreiben um Insekten zu verscheuchen und last but not least zwei Puppen als Geschenk für die Gastschwestern. Sandra hatte noch dunkle Bekleidung in Auftrag gegeben, weil ihre vorhandene helle bei der Handwäsche nicht immer ganz sauber wird. Alles das und unsere eigenen Sachen haben die vier Koffer randvoll gefüllt und wir liegen nur knapp unter der erlaubten Gewichtsgrenze. Zusätzlich habe ich noch eine Rolle mit Schullinealen und Zeigestöcken dabei. Die Geodreiecke und Fußbälle passten noch in die Koffer. Auch dies ein Wunsch von Sandra, gedacht für ihre Schule.
Samstag, der 04. Februar 2012 - Abreisetag. Es ist bitterkalt draußen. Das Thermometer zeigt um 8 Uhr – 15° C an. Unsere Partnerinnen bringen uns und unser Gepäck zum örtlichen Bahnhof, wo wir uns von ihnen für die nächsten zweieinhalb Wochen verabschieden. Ich hatte zwar nicht vor, meine Winterjacke mit in die Tropen zu nehmen, doch die Kälte lässt sie mich anbehalten. Über Köln geht es mit der Bahn zum Frankfurter Flughafen. Wir sind zeitig dort, können unser Gepäck schon aufgeben, nur die Rolle soll ich versuchen als Handgepäck mit in die Kabine zu nehmen. Bei Pass-, Handgepäck- und Personenkontrolle haben wir keine Probleme. Gegen 14:20 Uhr startet die Lufthansa-Maschine nach Accra. Vor uns liegen 6 ½ Stunden Flugzeit.
Nach ruhigem Flug landet das Flugzeug gegen 20:00 Uhr Ortszeit auf dem Flughafen Kotoka in Accra. Es ist Nacht in Accra. Die Maschine steht vor dem Ankunftsterminal. Andockmöglichkeiten gibt es nicht. Über mobile Treppen verlassen wir das Flugzeug und werden empfangen von sehr warmer Luft. Es werden + 25° C sein, denn das ist die normale Nachttemperatur in der Accra-Region. Da haben wir an diesem Tag doch tatsächlich einen Temperaturunterschied von 40° C mitgemacht. Ich habe es erstaunlich gut verkraftet und bin nicht kollabiert. Und, ich bin erstmalig in meinem Leben in Afrika und gespannt, was mich erwartet. Busse bringen uns zum Ankunftsterminal. Warten an der Gepäckausgabe, erneute Passkontrolle mit erkennungsdienstlicher Behandlung durch das Scannen von Fingerabdrücken, Abgabe des Einreiseformulars (freundlicherweise ergänzt die Beamtin eine nicht ausgefüllte Stelle), weiter gehen. Unsicher folgen wir der Beschilderung zur Ankunftshalle erwartend, dass wir noch zur Gepäckkontrolle gebeten werden. Dem ist aber nicht so, denn kontrolliert werden anscheinend nur farbige Einreisende. Rucksack auf dem Rücken, beide Hände Koffer ziehend und ich noch die Rolle zwischen Arm und Körper eingeklemmt tragend, so erreichen wir die Ankunftshalle. Welche Freude, wir werden erwartet. Sandra und Tomma sind beide da. Wir fallen uns in die Arme – es ist sehr schön meine Tochter nach über 5 Monaten Abwesenheit wieder persönlich umarmen zu können. Und Tomma lerne ich nun auch kennen.
Sandra hat ein Taxi für uns bestellt. Wir fahren nicht gleich nach Agona Swedru sondern übernachten zunächst im ARA-Schulungshaus, das außerhalb Accras am Meer liegt. Außerhalb der Ankunftshalle werden wir gleich angesprochen. Taxi? Taxi? Wir sind Weiße und man kann uns ja ansehen, dass wir ein Transportmittel für all unser Gepäck benötigen. Sandra verneint die Anfragen und ich ignoriere sie, folge Sandra und Tomma zum Parkplatz. Der liegt gleich dem Flughafengebäude gegenüber, nur getrennt durch die Straße. Meine erste Überraschung, der Platz ist nicht asphaltiert. Wie in aller Welt finden wir denn bei den vielen Fahrzeugen unser Taxi? Wofür gibt es denn dass Handy! Sandra ruft Kofi, unseren Fahrer an, erkundigt sich, dass er auch da ist, doch es dauert eine Zeit und weitere Anrufe, bis er uns gefunden hat. Unsere Koffer passen gerade in den Kofferraum, unser Handgepäck müssen wir mit in den Gastraum nehmen. Vor uns liegt eine Stunde Fahrt durch das nächtliche Accra nach Bortianor zum Sikapa Beach Resort. Viel ist mir von dieser Fahrt nicht in Erinnerung geblieben. Eingeprägt hat sich mir aber der ständige Gebrauch der Hupe des Autos, wie ich auch feststelle, dass andere Fahrzeuge ebenfalls ständig hupen. Und irgendwann verlassen wir die Straße und fahren auf unbefestigtem Weg weiter. Kofi fährt Schlangenlinien um möglichst den Schlaglöchern auszuweichen. Dann haben wir es geschafft. Wir werden empfangen und begrüßt von John, der uns die Zimmer zuweist. Wir sind die einzigen Gäste und er hat für uns schon die Klimaanlage laufen lassen, so sind die Zimmer angenehm kühl. Weil die Klimaanlage eingeschaltet ist, wird es diese Nacht auch keine Probleme mit Mosquitos geben, weil es für die in unserem Schlafraum zu kalt ist. Auf der Terrasse sitzen wir noch wenigstens eine Stunde, erzählen uns Neuigkeiten und stillen unseren Durst. Thomas und ich erhalten eine erste Einführung in das Leben in Ghana, was auf uns zukommen wird und wie wir uns verhalten sollen. Wir verabreden uns zum Frühstück und wünschen uns eine gute Nacht. Vorsichtshalber cremen wir uns doch mit Anti-Mücken-Mittel ein, weil wir nicht unter einem Mosquitonetz schlafen werden, lauschen noch den fremden Geräuschen vor dem Einschlafen.
Für Sandra und Tomma ist es eine Nacht wie jede andere auch, für Thomas und mich unsere erste in Afrika.