Donnerstag, 27. Oktober 2011

SAME SAME BUT DIFFERENT


Hier hat es diese Woche ziemlich viel geregnet. In Accra ist eine ganz schöne Überschwemmung und auch hier in Swedru ist der Fluss ganz schön angestiegen. Da ich aber auf einem Berg wohne, sitze ich zum Glück noch auf dem Trockenen. Ihr müsst euch also keine Sorgen machen.

Morgen werde ich mit einem Kollegen in die Voltaregion fahren zu einer Abschlussfeier von Polizeibeamten und am Samstag werde ich dann an einer Beerdigung außerhalb von Swedru teilnehmen. Mein Wochenende ist also schon wieder ziemlich ausgebucht. :D
                    
Die letzten drei Wochenenden hab ich auch die traditionelle Seite von Ghana ein bisschen kennen gelernt, die doch so ganz anders ist und die man sich in Deutschland nicht mal vorstellen kann.

In Swedru ist im August die Queen Mother im Alter von 133 Jahren ;D gestorben und vorvorletztes Wochenende war ihre Beerdigung. Zwar ist Ghana eine demokratisch gewählte Republik, trotzdem gibt es in den einzelnen Regionen, Städten und Dörfern noch die traditionellen Oberhäupter, so genannte Chiefs, Kings und Queens.
Beerdigungen generell sind hier viel größer und ganz anders als in Deutschland. Natürlich wird auch hier um die Verstorbenen getrauert, aber die Zeremonien sind ganz anders aufgezogen. Zum einen sind Beerdigungen hier viel größer und es ist nicht ungewöhnlich, wenn einer Beerdigung hunderte von Menschen beiwohnen. Nach dem Gottesdienst wird eine große Zeremonie abgehalten. Es wird quasi ein Rechteck geformt, mit hunderten von Stühlen an allen Seiten, und die Leiche wird teilweise präpariert für alle sichtbar in der Mitte aufgestellt oder aufgebahrt. Bands spielen stundenlang, es wird gesungen, getanzt und gegessen. Sogar Popcorn wird hier bei Beerdigungen gegessen. Bei meiner ersten Beerdigung kam ich mir deshalb vor als wär ich in nem schlechten Kinofilm.
Die Trauergemeinschaft kleidet sich ganz in schwarz und/oder rot und vor allem wenn der Leichenwagen mit dem Sarg in Richtung Geburtsstadt aufbricht, wo die Leute traditionell beerdigt werden, wird den Emotionen freier Lauf gelassen.
Wenn es passiert, dass ein Chief, König oder eine Königin stirbt, dann ist das hier eine große Angelegenheit. Schon Wochen vorher wird die Stadt in rot und schwarz geschmückt. Wie in allen Monarchien haben auch hier die Oberhäupter ihre Untertanen, von denen sie bedient werden. Da die Oberhäupter auf der Erde etwas Besonderes waren, sollen sie aber auch im Jenseits bedient werden, weshalb man in der Woche vor der Beerdigung lieber nicht mehr im Dunkeln rumlaufen sollte. Denn dann machen sich die „Headhunter“ auf die Suche nach Köpfen. Von einem anderen Chief wird festgelegt, wie viele Diener und damit Köpfe gebraucht werden und dann wird den anderen Chiefs mit Hilfe von Mangos mitgeteilt, wie viele Leute geköpft werden sollen. Pro Kopf eine Mango. Und die Köpfe werden dann auf den Sarg gelegt, wenn dieser in das Grab eingelassen wird. Offiziell ist das zwar inzwischen per Gesetz verboten, allerdings ist es anscheinend immer noch Brauch. Allerdings wird das deshalb inzwischen alles im Dunkeln gemacht, sodass man nur Gerüchteweise hört wie viele Köpfe rollen müssen.

In Ghana hat jeder Chief einen Chiefs Stool einen kleinen hölzernen Hocker, fast wie ein Thron. Es wird geglaubt, dass der Stool den Chiefs ihre Macht verleiht. Damit der Stool aber die Macht über das Volk behält, muss er regelmäßig Opfer erhalten. Diese Opfergaben sind entweder tierisches oder Menschliches Blut. So wurde mir das auf jeden Fall von einem Bekannten erklärt, der später mal König in seinem Ort werden soll.

Und vorletztes Wochenende waren wir dann in Akopong in der Eastern Region und haben uns da das Odwira Festival angeguckt. Eigentlich war das Festival eine ganze Woche lang, da wir aber ja alle unsere Projekte haben, konnten wir erst am Freitag anreisen.

Zu sechst sind wir von Swedru aus losgefahren Richtung Koforidua, wo wir unseren Tourguide Prosper und seine Freunde Quame, Samuel und Bryan getroffen haben. Von Koforidua sind wir dann nach Adukrom, wo wir das Wochenende über geschlafen haben, und hinterher nach Akropong gefahren. Als wir in Akropong ankamen waren die Straßen schon vollkommen zu. An beiden Straßenseiten standen Unmengen von Menschen und in der Mitte der Straße war eine Schneise. Anfangs habe ich nur große Sonnenschirme gesehen die die Straße herunterliefen, aber als ich mich dann ein bisschen weiter vorgekämpft hatte, habe ich gesehen, dass unter den von Dienern getragenen Sonnenschirmen mit Gold und edlen Gewändern ausgestattete Männer liefen oder auf Sänften getragen wurden. Je höher die Chiefs von Rang waren, desto mehr wurden sie bejubelt. Begleitet wurden die Chiefs von traditionellen Trommelklängen. Es gibt eine weibliche und eine männliche Trommel. Einerseits unterscheiden sie sich im Klang, die weibliche ist heller und andererseits auch im Aussehen.

Jeder Chief hatte seine eigene Art die Menge zu begrüßen, einer hat auf der Sänfte einen Begrüßungstanz aufgeführt, der Andere hat nur gewunken und wieder einer hat Süßigkeiten in die Menge geschmissen. Da hab ich mich ein bisschen gefühlt, als wäre ich gerade beim Rosenmontagszug in Köln.. haha komisch welche Ähnlichkeiten man da auf einmal sieht. Die Stadt war in einem Ausnahmezustand, wo man hingegangen ist wurde gefeiert, also haben wir uns einfach angeschlossen und mitgefeiert.

Nachmittags sind wird dann wieder zum Apartment, während wir darauf gewartet haben, dass die restlichen Leute unserer Gruppe zu uns stoßen. Als ich die Fahrt mit Prosper geplant hatte, war ich eigentlich von 15 Freiwilligen ausgegangen, aber irgendwie waren wir dann auf einmal 29 Obrunis und um ehrlich zu sein hatte ich da zum ersten Mal einen Kulturschock. Einfach weil ich es nicht erwartet hab so viele Weiße um mich zu haben und seit ich in Ghana angekommen bin auch nicht so viele Weiße auf einem Haufen gesehen hab. Was ich nämlich immer so schade finde ist, dass sich viele der Weißen ein bisschen abschotten und immer nur miteinander abhängen und dann natürlich Deutsch sprechen. Das ging mir das ganze Wochenende auch ein bisschen auf den Keks, weil wofür sind wir denn nach Ghana gekommen um dann nur mit anderen Freiwilligen zusammen zu hocken?!

Samstags haben wir dann einen Ausflug zum Sajuna Beach Club in Akosombo gemacht. Der Club ist direkt an dem Volta Fluss gelegen und das haben wir dann direkt mal ausgenutzt, um eine kleine Bootstour über den Volta zu machen. Mit vier Booten sind wir raus auf den Voltafluss gepaddelt und es hat einfach super viel Spaß gemacht. Da die meisten Ghanaer nicht schwimmen können, hatten unsere Ghanaischen Freunde anfangs noch ziemlichen Respekt, aber mit der Zeit haben sie die Angst total vergessen und wir haben ein Rennen gemacht und gesungen und ne ziemliche tolle Zeit gehabt.

Wir haben einige Fotos gemacht, sobald ich die Fotos von ner Freundin bekomme, werde ich sie für euch sofort online stellen. :D Die ersten sind aber auch schon auf Facebook, für alle die sich die Fotos schon mal so angucken wollen.

So ich glaube, dass ist jetzt auch erstmal wieder genug erzählt. Ich will euch ja auch nicht langweilen.

Liebe Grüße,
Sandra